Wien - In allen Kandidatenländern finden sich derzeit Mehrheiten für einen EU-Beitritt. Nach einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage würden bei Volksabstimmungen im Durchschnitt 65 Prozent der Bevölkerung in den Kandidatenstaaten für und 18 Prozent gegen einen EU-Beitritt stimmen. Der Rest ist unentschlossen oder will nicht zur Abstimmung gehen. Allerdings zeigen weitere Umfragen in einzelnen Staaten, dass das Rennen noch nicht entschieden ist. So gibt es etwa in Tschechien, in den baltischen Staaten, in Malta und in Estland derzeit keine absolute Mehrheit für einen Beitritt. In UNGARN ist die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft am höchsten. Nur Rumänien (85 Prozent Zustimmung) und Bulgarien (80 Prozent) zeigen sich noch europafreundlicher, beide Staaten haben aber kaum Chancen auf einen Beitritt vor 2007. 70 Prozent der Ungarn beantworteten in der im März präsentierten Eurobarometer-Umfrage, dem aktuellsten vergleichenden Überblick aller Kandidatenstaaten, die Frage "Wenn morgen ein Referendum über die Frage der EU-Mitgliedschaft stattfände, würden Sie persönlich dafür oder dagegen stimmen?" positiv. Dieser Trend wird durch weitere Untersuchungen bestätigt. Ende Mai gaben 72 Prozent der Ungarn in einer repräsentativen Umfrage der Central European Opinion Research Group Foundation (CEORG) an, für den Beitritt stimmen zu wollen. In TSCHECHIEN zeichnete sich dagegen in jüngster Zeit eine wachsende EU-Gegnerschaft ab. Erklärten in der Eurobarometer-Umfrage noch 54 Prozent, für den Beitritt stimmen zu wollen, sank dieser Anteil in der CEORG-Studie auf 47,4 Prozent. Der Anteil der Gegner lag zuletzt bei 27,3 Prozent, fast ebenso viele (25,3 Prozent) äußerten keine Meinung. Das Prager Meinungsforschungsinstitut CVVM konstatierte im Mai ebenfalls einen starken Rückgang der EU-Befürworter um acht Prozentpunkte gegenüber Februar und führte dies auf die Kontroverse mit Österreich um die so genannten Benes-Dekrete zurück. Eine wachsende Zustimmung zum EU-Beitritt wird in Umfragen dagegen in POLEN registriert. Lag der Anteil der Befürworter in der Eurobarometer-Umfrage noch bei 54 Prozent, so stieg dieser in der CEORG-Studie vom Mai auf 62 Prozent. Dieser Trend wird in anderen Untersuchungen bestätigt. Etwa jeder fünfte Pole äußert keine Präferenzen. In SLOWENIEN deuten die vorhandenen Daten ebenfalls auf eine wachsende kritische Einstellung zur EU. Während die Eurobarometer-Studie eine Zustimmung von 56 Prozent zur EU-Mitgliedschaft feststellte, wies eine "Politbarometer"-Umfrage des Laibacher Universitätszentrum vom April nur noch einen Anteil von 44 Prozent aus. Relativ hoch ist die Unterstützung zu einem EU-Beitritt in der SLOWAKEI (laut Eurobarometer 66 Prozent dafür, 11 Prozent dagegen). Weniger EU-Euphorie herrscht dagegen in den baltischen Staaten, wo es laut Eurobarometer ebenfalls keine absoluten Mehrheiten für die EU-Mitgliedschaft gibt. In LITAUEN (50 Prozent Zustimmung), LETTLAND (46 Prozent), ESTLAND (38 Prozent) ist zudem der Anteil der Unentschlossenen und Abstimmungsverweigerer mit 20 bis 35 Prozent sehr hoch. In Estland gaben 32 Prozent der Befragten an, gegen die EU stimmen zu wollen. Dies ist der zweithöchste Wert in allen Kandidatenländern. Eine stärkere Ablehnung findet sich nur in MALTA , wo sich in der Eurobarometer-Umfrage 40 Prozent für und 36 Prozent gegen einen EU-Beitritt aussprachen. In ZYPERN würde sich eine Mehrheit von 62 Prozent für den EU-Beitritt aussprechen, jedoch ist dort eine Volksabstimmung nicht erforderlich. (APA)