Lula als Schreckgespenst der Finanzmärkte Man stelle sich vor in Deutschland läge die sozialistische PDS bei den Umfragen für die Bundestagswahl in Führung? Würde der Dax noch tiefer fallen als bisher schon? In Brasilien zumindest verschreckt die Börse die Aussicht auf einen linken Präsidenten. Im Oktober wählt das größte Land Lateinamerikas einen neuen Präsidenten. In den Umfragen führt derzeit Luiz Inazio "Lula" da Silva, der Chef der Arbeiterpartei. Der Kapitalmarkt in Brasilien ist von Panik befallen: Die Landeswährung Real wertet immer stärker ab und die Kurse von Brasilien-Bonds leiden unter der Angst der Anleger vor einem Zahlungsausfall. Im Wahlprogramm der Arbeiterpartei wird zwar die Bedienung der Auslandsschulden versprochen, Lula hat zuvor aber das Gegenteil angekündigt. Hoher Brasilien-Anteil drückt Fondskurse Auch der Aktienindex Bovespa ist schwer getroffen Seit Jahresanfang hat er bereits 28,1 Prozent eingebüßt. In Euro umgerechnet liegt das Minus sogar bei 51,5 Prozent. Kein Wunder also, dass der auf Brasilien spezialisierte Aktienfonds ABN Amro Brazil Equity mit 50,4 Prozent in den Miesen liegt. Geringfügig besser laufen Fonds, die breiter gestreut in ganz Lateinamerika anlegen. Der Threadneedle Latin America weist ein Minus von 31,4 Prozent auf, der JP Morgan-Fonds ein Minus von 35,1 Prozent. Grund: Der Brasilienanteil liegt bei beiden Fonds bei hohen 44 Prozent. Rossi setzt auf Regierungskandidat Serra Auch wenn Lula die Märkte schreckt, Dominic Rossi, Fondsmanager des Threadneedle Latin America, bleibt gelassen. "Ich sehe Lula nicht als Sieger. Daher muss ich mir auch keine Sorgen machen." Wunschdenken eines Fondsmanagers? Zumindest ein Argument lässt aufhorchen: Im August starten die TV-Werbespots der Parteien. Deren Sendezeit orientiert sich an den Sitzen im Parlament. Jose Serra, Kandidat der Regierungspartei, wird deshalb die stärkste Fernsehpräsenz aufweisen. Und: Schon dreimal zuvor trat Lula zur Wahl an – und verlor. "Lula hat zu viele Gegner und wird verlieren. Serra wird der Gewinner sein", lautet die Wahlprognose von Rossi. Brasilianische Aktien signifikant unterbewertet Die Niedergang des Bovespa hält der Fondsmanager denn auch für übertrieben. "Der brasilianische Aktienmarkt ist signifikant unterbewertet. Eine Kursrally von 50 Prozent ist möglich", sagt er. Eine seiner Lieblingsaktien ist der Energietitel Petrobras. "Die Aktie zählt derzeit zu den am günstig bewerteten Titel", so seine Begründung. Daneben favorisiert Rossi Bankwerte. "Banken haben große Dollar-Positionen im Ausland. Die hohen Kursverluste machen keinen Sinn", zeigt er sich überzeugt. Brasilien-Anteil hochgefahren Rossi belässt es nicht bei Worten. In den vergangenen Monaten hat er den Brasilien-Anteil in seinem Fonds hoch gefahren – von 43 auf 44 Prozent. Das erscheint mager. Aber: Ohne Zukäufe läge der Anteil wegen der stark gesunkenen Aktienkurse deutlich unterhalb von 43 Prozent. Zur Hälfte investieren die Latino-Fonds jedoch in Mexiko. Der JP Morgan-Fonds ist dort zu 54 Prozent investiert, der Threadneedle-Fonds zu 48 Prozent. Brasilien ohne Einfluss auf Mexiko Zwar zählt Mexiko geographisch zu Lateinamerika. Ökonomisch sind aber die Verbindungen zum nördlichen Nachbarn USA von Bedeutung. So gehen fast 90 Prozent der Exporte Mexikos in die USA. "Der Einfluss Brasiliens auf Mexiko ist gering", sagt daher Fondsmanager Rossi. Auch wenn Mexiko kaum unter Brasilien leidet, die Konjunkturschwäche der Vereinigten Staaten hat den mexikanischen Aktienmarkt dieses Jahr in die Verlustzone rutschen lassen. Um 25,9 Prozent ist der Index IPC General auf Euro-Basis im laufenden Jahr bereits gefallen. Rossi ist Optimist für Lateinamerika Die aktuelle Lage in Lateinamerika lädt also nicht gerade zum Investieren ein. Zu unsicher scheinen die Aussichten. Dominic Rossi versprüht jedoch Optimismus und rät aufgrund der Unterbewertung zu einem Investment in Lateinamerika. „"hrlich gesagt, Zeiten wie diese waren immer gute Zeiten zum investieren", sagt der Fondsmanager. Anleger müssen zumindest mit hohen Schwankungen rechnen.