Wien - Die betont vorsichtigen Ertragserwartungen bei der Abfertigung neu beruhen weniger auf der Skepsis bezüglich der weiteren Börsenentwicklung als viel mehr auf der gesetzlichen Kapitalgarantie sowie auf der vorzeitigen Kapitalentnahme-Möglichkeit, sagt der Chef der APK-Pensionskassa, Christian Böhm. Beide Faktoren zwingen die Manager, die die monatlichen Arbeitgeberbeiträge von 1,53 Prozent zur Abfertigung neu renditeträchtig veranlagen sollen, zu einer konservativen Politik. Das aktuelle Zusatzproblem: Auch die Verzinsung von Staatsanleihen ist in Europa auf einem historisch niedrigen Niveau. Volumenmäßig erwartet Heinz Behacker von der Vereinigten Pensionskassen AG 700 Mio. Euro an Beiträgen nach den ersten drei Jahren im neuen Abfertigungssystem. Dazu kämen noch die derzeit nicht abschätzbaren Übertragungen von Geldern aus dem alten Abfertigungssystem. Veranlagungsgeschick Auf dieses eingezahlte (Nominal-)Kapital bezieht sich die gesetzliche Kapitalgarantie. Nicht mit abgedeckt wird dabei die jährliche Inflationsrate. Welche Verzinsung über das eingezahlte Kapital hinaus pro Arbeitnehmer erwirtschaftet wird, liegt ganz im Veranlagungsgeschick der jeweiligen Mitarbeitervorsorgekassa. Auch deren Spesen müssen durch die Veranlagung der Abfertigungsgelder miterwirtschaftet werden. Erlaubt ist in der Veranlagungsstrategie der Kassen ein maximaler Aktienanteil von 40 Prozent, in der Praxis wird ein Anteil von lediglich rund fünf Prozent erwartet. Bis zu 95 Prozent werden in Bundesanleihen und Bundesdarlehen gehalten werden, die derzeit zwischen 5,15 und 5,35 Prozent rentieren. Hohe Fluktuation Neben der Kapitalgarantie drückt vor allem die vorzeitige Kapitalentnahme-Möglichkeit auf die Durchschnittsverzinsung der angesparten Abfertigungsgelder. Ab dem nächsten Jahr kommt etwa mit dem Tourismus eine Branche neu ins Abfertigungssystem dazu, die von hohen Mitarbeiterfluktuationsraten geprägt ist und wo häufige Abfertigungsentnahmen erwartet werden. Bei den betrieblichen Pensionskassen, wo es keine Kapitalentnahme-Möglichkeit vor Pensionsantritt gibt und daher wesentlich längere Veranlagungshorizonte gewählt werden können, hält die Branche durchschnittlich rund 30 Prozent Aktien. Freilich wird auch hier Investmentfonds und nicht Einzelaktien der Vorzug gegeben. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 6.8.2002)