... Aber es war "NEWS", das vorige Woche wieder einmal mit dem üblichen Titelfoto - er im modischen Leiberl - und einer ganz vertraut klingenden Titelzeile erschien: Haiders Kampf-Ansage - gegen die eigene Partei.

Es war nach 500 Covers, die das Land bewegten, die erschütterten - und manchmal was zum Schmunzeln das 501., mit dem das größte Magazin aller Zeiten und der größte Freiheitliche aller Zeiten die größte Eine-Hand-wäscht-die-andere-Aktion aller Zeiten fortsetzten, die je unter leidlich demokratischen Verhältnissen zwischen einem Politiker und einem Medium abgelaufen ist. Es handelt sich dabei um eine perfekt funktionierende Symbiose, aus der die Protagonisten Fellner und Haider ein Maximum an Gewinn ziehen, weil aus ihr als Nebenprodukt auch das abfällt, was von der "Kronen Zeitung" intellektuell überforderte Österreicherinnen und Österreicher am liebsten haben, nämlich was zum Schmunzeln.

Mit der Erklärung des NEWS-Erfolgs tun sich seit Beginn Freund und Feind - vor allem aber die Neider - schwer. Anfangs wurde er "auf Gewinnspiele und Beigaben" zurückgeführt, eine Idee, die so falsch nicht sein kann, ist doch der Gröfaz eindeutig als Beigabe zu betrachten - immerhin: Exakt 40-mal war Jörg Haider in 500 Ausgaben am Cover von NEWS, was nach journalistischen Kriterien allein kaum zu rechtfertigen ist. Dreimal wollte er das - unter anderem beim legendären Haider-Hitler-Cover - via einstweilige Verfügung verhindern. Er weiß schließlich, das auch er seinen Beitrag leisten muss, wenn das Geschäft laufen soll.

Dann wurde der NEWS-Erfolg mit "viel Marketing" begründet. Auch das hat manches für sich. Gleich 40-(nunmehr schon 41-)mal das blaue Schmunzelmonster auf die Titelseite zu bringen, aber den schmallippigen Zupfgeigenwolferl nur 21-mal - das kann kein Zufall sein, das lässt auf eine ausgeklügelte Marketingstrategie schließen, auch wenn die Fellners es nicht zugeben wollen. "Das Geheimnis unseres Erfolges ist ganz simpel", resümiert NEWS-Gründer Wolfgang Fellner. "Das ist mittlerweile einzig und allein die journalistische Leistung des Redaktionsteams."

Erst mittlerweile? Damit tun sich die Neider schwer. Denn Grund zum Stolz ist vorhanden. Wir sind stolz darauf, in 500 Ausgaben kein einziges Mal mit Fremdenfeindlichkeit, Populismus oder Panikmache Auflagen gepusht zu haben. Sondern nur mit dem Coverboy, der seine Partei mit Fremdenfeindlichkeit, Populismus oder Panikmache auf 27 Prozent gepusht hat. Mit ihm aber ohne jedes geschäftsbehindernde Schamgefühl, vom frühen Haiders Kampf gegen Kirche, Kanzler, Klestil von vor fast zehn Jahren bis eben zu Haiders Kampf-Ansage gegen die eigene Partei von voriger Woche.

Was immer der Obmann der FPÖ gerade tat oder das einfache Parteimitglied nicht tat, der Platz auf dem Titelblatt von "NEWS" war ihm reserviert, und daran wird sich auch nichts ändern, solange sich das Geheimnis unseres Erfolges ganz simpel in Titelzeilen gießen lässt wie Haiders Ausländer-Wahlkampf - Der Spieler. Hieß es kurz darauf Haiders Absturz - umso besser, dann schob man möglichst bald die Story nach: Das Geheimnis von Mock und Haider. Und wenn nach ein paar Tagen kein Leser mehr nach diesem Geheimnis krähte, doppelte man mit Haider - Der Amoklauf und Angst vor Haider - wie der F-Chef seine Regierung plant nach.

Gelegentlich fanden Haider-Titel in Serie statt, wie um die Wahlen 1995. Haider läuft Amok zeigte Fellners Liebling bei seiner Lieblingsbeschäftigung, um dann in seiner Lieblingshoffnung bestärkt zu werden: Haider und Schüssel: Kommt die Wende? Damals kam aber lediglich Die Akte Haider, gefolgt von Haiders Pleite, aus der ihm das Magazin dann mit den Nummern Der neue Haider und Die Haider-Offensive heraushalf. Diese schrie geradezu nach Ist Haider noch zu stoppen, als mit Klima gegen Haider ein Problem auftauchte, das mit den Heften Haiders Kanzler-Plan sowie Haiders Tricks: Seine Kanzler-Strategie spielend bewältigt wurde.

Dennoch vergeblich. Haiders geheime Finanzen reichten nur noch zu einem Geheimplan für Rücktritt: Wann Haider geht. Aber auch Die blaue Pleite ließ die Fellners nicht verzweifeln. Sie wiesen mit Was Jörg Haider jetzt plant den Ausweg, und der bestand in Klima gegen Haider - Das Duell des Jahres. Ferner kam dann noch u. a.: Jetzt kommt Haider, Haiders Rücktritt-Rätsel, Haiders Zukunft, Dreht Haider durch?, Wie Haider Schüssel stürzen will, Wie k. o. ist Haider?, Haiders Neuwahl-Pläne und wieder einmal: Läuft Haider Amok? sowie Haiders Millionen.

Tja, und letzte Woche nun hat Haider NEWS für eines seiner bisher aufsehenerregendsten Interviews gewählt: für eine fast brutale Ansage an seine Partei und seine Regierungsmannschaft. Gut gewählt! Denn was lief Haider? Amok! Aber nicht lange. Schon bei der Pressekonferenz einen Tag später war Haiders Kampf-Ansage gegen die eigene Partei Makulatur.
(DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2002)