Graz - Als die Polizei kam, schob er den Riegel vor und schoss mit einem Kleinkalibergewehr durch die verschlossene Türe. Das Projektil aus der Long Rifle 22 eines 35 Jahre alten Arbeitslosen in Graz traf einen Polizisten in den Oberschenkel: Steckschuss, Abtransport in Spital, Operation."Wir sind vor seiner Türe am Präsentierteller gelegen, weil wir für ihn sichtbar waren und er für uns nicht. Ich habe gewartet, bis er wieder schießt, dann habe ich die blutende Wunde gehabt - ja, es war Endzeitstimmung", schilderte der schwer verletzte 43-jährige Beamte, Franz G., den dramatischen Einsatz. Scheinbar harmlos hatte dieser begonnen, als eine Streife Sonntag um 23.20 Uhr zu einem Nachbarschaftsstreit gerufen wurde. Ein Mann werfe aus einem Innenhof in der Karl-Morre-Straße Holzscheite durchs Fenster in die Wohnung seiner Nachbarn, hatte es geheißen. Doch als die Polizisten den Randalierer zur Rede stellen wollten, flüchtete dieser in seine Wohnung und schlug die Türe zu. Dann schoss er. Die "Problematik" sei gewesen, dass sich auch die 69 Jahre alte Mutter des Täters in der Wohnung befunden habe - eine potenzielle Geisel, erläutert Manfred Komaricky, Chef der zur Hilfe gerufenen Sondereinheit Cobra Süd. Also habe man von einer Erstürmung des Objekts abgesehen. Dafür umstellten 20 Beamte das Mehrparteienhaus, und ein Cobra-Mann übernahm die Verhandlungen. Sie sollten bis drei Uhr früh dauern, als der Schütze seine Wohnung verließ und sich widerstandslos festnehmen ließ. Er war, wie Tests ergaben, zum Zeitpunkt der Tat weder alkoholisiert gewesen, noch unter Drogen gestanden. (APA, bri/DER STANDARD, Printausgabe, 06.08.2002)