Berlin - Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt in der Bonusmeilen-Affäre gegen neun Abgeordnete aus Bund und Ländern, darunter die Grünen Jürgen Trittin, Cem Özdemir, Ludger Volmer und Rezzo Schlauch. Sie geht dabei Anzeigen nach, die überwiegend von Privatleuten gestellt wurden, wie Justizsprecherin Ariane Faust am Dienstag in Berlin mitteilte. Insgesamt lägen 37 Strafanzeigen vor, meist wegen Betrugs und Untreue. Die Staatsanwaltschaft sei verpflichtet, ihnen nachzugehen und zu prüfen, ob es überhaupt konkrete Anhaltspunkte für einen Straftatbestand gebe. Laut der Sprecherin betreffen die Überprüfungsverfahren neben Grünen-Fraktionschef Schlauch, Umweltminister Trittin, dem Staatsminister im Auswärtigen Amt, Volmer, und Özdemir auch die PDS-Politiker Gregor Gysi und Ulla Jelpke, die CSU-Abgeordnete Renate Blank, den CDU-Abgeordneten Günther Nooke sowie den SPD-Abgeordneten Klaus Lennartz. Eine Anzeige stamme von der NPD. Özdemir und Gysi hatten den Missbrauch von Bonusmeilen eingeräumt und waren deshalb von ihren Ämtern zurückgetreten. Schlauch hatte ebenfalls einen Fehler eingestanden, von einem Rücktritt jedoch abgesehen. Trittin und Volmer hatten die Vorwürfe bestritten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat unterdessen die Nominierung des PDS-Politikers Harald Wolf für das Amt des Wirtschaftssenators begrüßt. "Die Berliner Wirtschaft wird in ihm einen kompetenten Partner haben, mit dem sie sachorientiert zusammen arbeiten kann", sagte Wowereit am Dienstag. Interessierte Investoren würden in Wolf einen Gesprächspartner haben, der jeden Winkel der Stadt kenne und mit den Bedingungen Berlins bestens vertraut sei. Der 45-Jährige sei ein konsequent an der Sache orientierter Politiker, der über das nötige Stehvermögen verfüge, "das diese Stadt jetzt braucht", erklärte Wowereit. Der PDS-Landesvorstand hatte Wolf am Montagabend als Nachfolger Gysis nominiert. Das Abgeordnetenhaus will auf seiner Sitzung am 29. August den neuen Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen wählen. Die Zustimmung des Koalitionspartners SPD gilt als sicher.(APA/AP)