Wien - Dass sich die Stadtregierung giftet, wenn ihr die Kritik des Unesco-Weltkulturerbe-Beirats an den geplanten 97-Meter-Türmen in Wien-Mitte ständig unter die Nase gerieben wird, weiß Roman Herzog, nicht amtsführender Stadtrat der FPÖ, natürlich. Deshalb konnte er auch die Chance, einmal mehr auf die schweren Bedenken der Weltkulturerbe-Schützer hinzuweisen, nicht vorüberziehen lassen: Zum Wesen der Politik gehört es schließlich, oft Gehörtes und vielmals (selbst) Gesagtes auch beim x-ten Aufguss als Sensation anzupreisen. Denn der Satz "Repetitio non semper placet" (zu Deutsch: Wiederholung nervt) macht am meisten Spaß, wenn das "non placet" beim politischen Gegner stattfindet.

Seit Dienstag liegt nämlich das Protokoll einer Unesco-Tagung zu Wien-Mitte (Ende Juni in Budapest) schriftlich vor. Eine "ungeschminkt harte Haltung ohne jegliche diplomatische Floskeln" findet Her- zog da. "Das Weltkulturerbe-Komitee drückt seine ernsten Bedenken über das Projekt Wien-Mitte" aus. Insbesondere "wegen der architektonischen Gestaltung sowie der Höhe der geplanten Türme" sei den Unesco-Gesandten nicht wohl. Neu, gibt man in der FPÖ auf Nachfrage zu, sei an alledem nichts: Ebendiese Aussagen dominieren die Diskussion über Wien-Mitte in den letzten Wochen.

Allerdings sei nun eben mit Stempel und Siegel verbrieft, dass Wien aufgefordert wird, bis 1. Oktober eine Stellungnahme zu formulieren.

Ebendiese, heißt es im Büro von Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) knapp, werde derzeit erstellt. Eine Entscheidung sei nicht vor Juni 2003 zu erwarten. (rot/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2002)