Das Fernsehen ist eine große Müllhalde. Weil es heutzutage jedoch vornehmste Bürgerpflicht ist, Müll zu trennen und auf diesem Wege möglichst einer Weiterverwendung zuzuführen, betreibt auch das Fernsehen brav Recycling. Längst werden dabei nicht mehr nur Film und Serie mehrfach verwertet. Das Fernsehen kümmert sich auch um das, was andernorts an audiovisuellem Abfall anfällt.Nach einschlägigem Material aus US-amerikanischen und britischen Archiven wird inzwischen (Nachschubprobleme?) offenkundig auch das Videoschaffen osteuropäischer Amateure durch Einsatz in jenem deutschen Privatprogrammfüller geadelt, der von den "dümmsten Verbrechern/Frauen/Tieren" handelt. Auf der jüngsten entsprechenden Kompilation von RTL 2, die "allzu menschliche Fehltritte und tierisch witzige Szenen" verspricht, klebt das Etikett "Die dümmsten Liebhaber der Welt", und man sieht dabei unter anderem erwachsene Menschen, die beim Paartanz fallen, Wellensittiche, die Hamster begehren, Kleinkinder, die sich großflächig mit Lippenstift bemalen, oder traurige Männer, die Toupets verlieren. Wir stellen uns einen dazugehörigen Spezialversand vor - findige Sammler, die sich international auf Flohmärkten mit Avantgardefilmemachern um wertvolle Found Footage streiten, ernsthafte Archivare, die in der Folge Regale mit endlosen Kassettenreihen anlegen, alle akribisch beschlagwortet, fein säuberlich katalogisiert. So schafft Recycling Arbeitsplätze. (irr/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 7.8.2002)