Berlin - Die Hamburger Koalition aus CDU, FDP und der rechtspopulistischen Schill-Partei ist gefährdet. Grund sind Aussagen des gesundheitspolitischen Sprechers und Bundesgeschäftsführers der Schill-Partei, Wolfgang Barth-Völkel, die die nicht friktionsfreie Zusammenarbeit zusätzlich belasten. Barth-Völkel hatte medizinische Zwangsuntersuchungen für Zuwanderer - inklusive Aidstest - und die Internierung kranker Ausländer gefordert.Mündige deutsche Sextouristen In einem Interview mit der Berliner Tageszeitung (taz) hatte er unter anderem erklärt: "Stellen Sie sich doch mal das simple Beispiel vor, ein ukrainisches Au-pair-Mädchen, das infiziert ist, geht hier in eine Diskothek, lernt jemanden kennen, und es kommt zum Onenightstand. Ich glaube nicht, dass da dann unbedingt mit Kondom gearbeitet wird." Gleichzeitig verteidigte er Sextourismus der Deutschen mit den Worten: "Das sind alles mündige Bürger, und die werden garantiert ihrem Hobby mit einem Kondom frönen." Der Gründer der rechtspopulistischen Partei und Hamburger Innensenator, Ronald Schill, räumte inzwischen ein, dass die Forderungen von Barth-Völkel den Eindruck des Rassismus erwecken könnten - bei "böswilliger Auslegung". Grund für einen Rücktritt sieht Schill nicht. Damit konnte er nicht jene CDU-Politiker beschwichtigen, die ein Ende der Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten fordern. Mehrere Christdemokraten bezeichneten die Aussagen von Barth-Völkel als jenen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe. Wiederholt war die Arbeit von Politikern der Schill-Partei als fachlich unzureichend kritisiert worden. Die verbalen Auslassungen sind auch eine Belastung für den Bundestagswahlkampf der Schill-Partei, da Barth-Völkel hinter Schill auf Listenplatz zwei kandidiert. Umfragen zufolge hat die Schill-Partei mit Werten von zwei Prozent aber ohnehin keine Chance, die Fünfprozenthürde zu überspringen. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2002)