Brüssel/Wien - Präsident Robert Mugabe steht derzeit politisch mit dem Rücken zur Wand, kaum jemand will sich international mit ihm solidarisch erklären. Der britische Commonwealth schloss Simbabwe für ein Jahr aus. Südafrika, die bestimmende politische Kraft in der Region, lässt deutlich Unmut über Mugabes Vorgehen erkennen. Die EU weitete ihre "gezielten Sanktionen" im Juli gegen ihn und sein Regime aus und beschloss ein Einreiseverbot für Mugabe und 50 seiner engsten Freunde. Bereits in Kraft ist ein EU-Waffenembargo gegen Simbabwe. Außerdem wurden Konten von Mugabe und 19 seiner engsten Mitarbeiter - darunter mehrere Minister - eingefroren. Zugleich beschlossen die EU-Außenminister, die humanitäre Hilfe an die notleidende Bevölkerung zu verstärken. Auch für die anderen Länder des südlichen Afrika wollen EU und UNO angesichts der drohenden Hungersnot zusätzliche Lebensmittelhilfen bereitstellen. Mugabe kritisierte die Bedingungen von Vereinten Nationen und EU für deren Nahrungsmittelhilfe allerdings heftig und tat sie als "finstere Machenschaften" der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien ab. Bei der Eröffnung der neuen Sitzungsperiode des Parlaments Ende Juli sagte der seit 22 Jahren regierende Staatschef, natürlich sei nicht seine Politik, sondern internationale Isolation und die Dürre schuld am Hunger im Land. Er ließ anklingen, dass gespendete Lebensmittel vergiftet sein könnten. Um den Nahrungsmittelbedarf zu decken, fehlen in Simbabwe in diesem Jahr rund zwei Millionen Tonnen Getreide. Die Opposition wirft der Regierungspartei ZANU-PF vor, Nahrung als politisches Druckmittel einzusetzen und die Hochburgen der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von der Verteilung von Lebensmitteln auszunehmen. Die Vereinten Nationen bestehen auf bestimmten Reformen, darunter einer größeren Marktöffnung. Skeptisch beäugen Beobachter die von Optimisten der Opposition verbreitete Ansicht, Mugabe könnte sich in Zeiten der Isolation versöhnlicher zeigen und eventuell sogar auf dem nächsten Parteitag der ZANU-PF im Dezember abdanken oder sich durch Ernennung eines Stellvertreters aus den Amtsgeschäften zurückziehen. (plo/DER STANDARD, Printausgabe, 07.08.2002)