Hamburg/Berlin - Die deutsche Debatte um die Bonusmeilen zeigt nach Meinung des von seinen Ämtern als Berliner Wirtschaftssenator und Vizebürgermeister zurückgetretenen Gregor Gysi, dass die Maßstäbe zwischen den Medien und der Politik "völlig verschoben sind". Der PDS-Spitzenpolitiker kritisierte in einem Interview mit der am Donnerstag erscheinenden Hamburger Illustrierten "stern": "Die Medien interessieren sich doch immer weniger dafür, ob jemand eine richtige Bildungs- oder Wirtschaftspolitik macht, sondern dafür: Was zieht er an, wie ist er in Urlaub gefahren, wie teuer war das Haus, das er sich gekauft hat? Damit erstickt man die Politiker, man macht sie ängstlich." In dem Interview bekannte Gysi, was ihn an der Affäre "mehr ärgert als alles andere: Ich hatte gedacht, es sei erlaubt, die Bonusmeilen privat zu nutzen. Wenn ich es gemacht hätte in dem Wissen, dass es verboten ist, dann könnte ich anders damit umgehen." Dann hätte er auf jeden Fall "offensiver" reagiert. "Meine Doofheit - das Versagen meines Instinkts - ärgert mich." Die PDS sei "noch etwas träge" und müsse den Wahlkampf "engagierter" führen. "Aber uns wird die Erkenntnis helfen, dass (CDU/CSU-Kanzlerkandidat Edmund) Stoiber und die FDP eine Mehrheit haben werden, falls die PDS es nicht in den Bundestag schafft", sagte Gysi im "stern"-Gespräch. (APA)