Ramallah - Trotz der anhaltenden Gewalt werden Israel und die Palästinenser nach Monaten der Unterbrechung wieder Gespräche über die Sicherheitszusammenarbeit führen. Nachdem die Palästinenserführung einem israelischen Plan zum stufenweisen Rückzug der Armee aus besetzten Autonomiegebieten "im Grundsatz" zugestimmt hatte, wurde für die Nacht zum Donnerstag ein Treffen von Sicherheitsexperten beider Seiten einberufen. Der israelische Plan sieht vor, dass die Armee selbstverwaltete Gebiete im Gazastreifen und in Bethlehem räumt und die Palästinenser dort im Gegenzug für Sicherheit sorgen.Sechs Palästinenser getötet Die radikale Hamas-Bewegung sowie zwei weitere radikale Palästinenserorganisationen lehnten den Plan ab. Ein Hamas-Sprecher sagte, Israel wolle mit dem Plan nur die internationale Kritik unterdrücken, um seine Militäraktionen in den Palästinensergebieten fortsetzen zu können. Trotz der Bemühungen um ein Ende der Gewalt töteten israelische Soldaten am Mittwoch bei verschiedenen Zwischenfällen sechs Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen. Weitere 15 mutmaßliche radikale Palästinenser wurden nach israelischen Armeeangaben festgenommen. Gespräche mit Powell und Rice Der palästinensische Innenminister Abdel Razzek Yahia reiste am Mittwoch an der Spitze einer Delegation zu Gesprächen nach Washington. Geplant sind Unterredungen mit US-Außenminister Colin Powell sowie der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Das Kabinett von Palästinenserpräsident Yasser Arafat hatte am Mittwoch trotz interner Meinungsverschiedenheiten einem Vorschlag des israelischen Verteidigungsministers Benjamin Ben-Eliezer zugestimmt, nach dem sich die Armee aus den besetzten Gebieten im Gazastreifen sowie aus Bethlehem und dem Gebiet von Jericho (Westjordanland) zurückzieht, falls die palästinensische Polizei dort die Sicherheit und ein Ende des Terrors gegen Israel garantiert. "Wir können das schaffen, obwohl unsere Sicherheitsorgane (von den Israelis) schwer getroffen wurden", sagte Nabil Abu Rudeineh, ein Berater von Arafat. Rudeineh betonte, die Palästinenser würden den sofortigen Rückzug aus Ramallah, dem Amtssitz Arafats, in der ersten Stufe bevorzugen. Der palästinensische Planungsminister Nabil Shaath begrüßte die Entscheidung als "ersten politischen Schritt zu einem vollen Rückzug Israels". Israelische Armee setzte Offensive fort Ungeachtet der vorsichtigen Annäherung zwischen beiden Seiten setzte die israelische Armee ihre Offensive gegen mutmaßliche palästinensische Extremisten fort. Am Morgen erschossen Soldaten den örtlichen Führer der militanten Al-Aksa-Brigaden von Tulkarem. Bei Zusammenstößen zwischen Soldaten und Demonstranten starben drei weitere Palästinenser. Nahe der jüdischen Siedlung Ganei Tal im Süden des Gazastreifens liquidierten israelische Scharfschützen einen führenden Aktivisten des militärischen Flügels der radikalen Hamas- Bewegung, Ahmed Nimer (27). Israelische Sicherheitsexperten untersuchen außerdem die Ursache für die Explosion eines Tanklastzuges in einem Vorort von Tel Aviv. Dabei waren Fahrer und Beifahrer verletzt worden. Die Polizei hat den Verdacht, dass eine Bombe die 15.000 Liter Diesel explodieren ließ. Für Aufsehen sorgte in Israel der Fall von zwei israelischen Araberinnen, die vor dem Anschlag auf einen Linienbus am vergangenen Sonntag offensichtlich vom Attentäter gewarnt worden und daraufhin aus dem Bus ausgestiegen waren. Für die beiden Frauen hat dies jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Die Frauen haben nach eigener Aussage nicht gewusst, dass in solchen Fällen die Polizei hätte informiert werden müssen. Bei dem Selbstmordanschlag waren neun Personen getötet worden. Sonderbotschafterin für humanitäre Fragen ernannt Angesichts der humanitären Krise in den palästinensischen Autonomiegebieten hat UN-Generalsekretärin Kofi Annan die ehemalige Leiterin des Welternährungsprogramms, Catherine Bertini, zu seiner Sonderbotschafterin für humanitäre Fragen ernannt. Bertini soll sich vor Ort ein Bild von der Notlage der Palästinenser machen. Außerdem soll Bertini in der Region mit UN-Mitarbeitern, Experten des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes, der Israelis und der palästinensischen Behörden darüber beraten, welche Maßnahmen am dringendsten erforderlich sind. Anschließend werde sie ihm und den anderen Mitgliedern des so genannten Nahost-Quartetts Vorschläge unterbreiten, die eine weitere Zunahme der Not in den Palästinensergebieten verhindern sollen, kündigte Annan am Mittwoch in New York an. Das Nahost-Quartett (Vertreter der USA, EU, UN und Russlands) war bei einer Zusammenkunft vor drei Wochen in New York überein gekommen, die Koordination der internationalen Bemühungen in den Palästinensergebieten in die Hand der Vereinten Nationen zu legen. (APA/dpa)