Wien - Das Internet hat viele Gewohnheiten unseres Lebens auf den Kopf gestellt, von der Kommunikation im Beruf und im Privatleben bis zum Einkauf und Nachrichtenkonsum. Jetzt zeigt eine Studie des US-"Pew Research Center", das Nutzungsgewohnheiten von Internetbenutzern untersucht, dass diese Änderungen durch Breitbandtechnologie neuerlich einen kräftigen Schub erhalten. Wer sein Internet über eine schnelle Verbindung (Kabel, ADSL oder andere Breitbandtechniken) anstelle einer langsamen Telefon-Wählverbindung benutzt, entwickelt einen wesentlich aktiveren Umgang mit dem neuen Medium, zeigt die Studie, die anhand von rund 500 US-Haushalten erstellt wurde. Breitbandnutzer sind etwa vier Stunden länger wöchentlich online als "Schmalband"-Nutzer und verwenden das Internet für fast doppelt so viele Aktivitäten. Dazu gehört der Austausch von Musikdateien ebenso wie Telebanking. Aus Konsumenten werden Produzenten Besonders signifikant ist, dass mit dem Breitbandanschluss aus Konsumenten Produzenten werden: Das Netz wird von diesen Personen erheblich öfters dazu genutzt, um selbst Webseiten zu gestalten, Fotos in einem Album online zu veröffentlichen oder sich in Onlineforen und Diskussionen einzubringen. 60 Prozent werden so zu "Nachrichtenproduzenten", fast doppelt so viele als unter den Schmalband-Kollegen. Diese Beobachtung hat unterschiedliche Gründe. Einerseits sind es vor allem "fortgeschrittene" Benutzer, die sich zu dem (teureren) Breitbandanschluss entschließen. Das bedeutet, dass diese Personen mit wachsender Nutzung in die geeignetere Technologie "hineinwachsen". Andererseits aber ermöglichst Breitband Aktivitäten, die über einen Telefonanschluss nur überaus mühevoll oder gar nicht abzuwickeln sind - das extreme Ende dieser Aktivitäten sind Radio- und Filmkonsum über Internet, mit einer Telefonleitung bestenfalls experimentell möglich. Auch der Nutzen digitaler Fotografie, einer populären Anwendung, gewinnt durch die Übertragungsgeschwindigkeiten enorm, sei es, um Bilder an Freunde zu versenden, ein Album zu erstellen oder eine Datei zur Ausarbeitung ans Labor zu senden. Dazu kommt, dass bei Breitbandanschlüssen die lästigen Einwahlzeiten entfallen. So wird es wesentlich leichter, kleine Aktivitäten rasch abzuwickeln, wie Telefonnummer oder eine Fahrplanauskunft zu suchen. (spu, DER STANDARD, Printausgabe 8.8.2002)