Friedrich und sein Sohn Joseph stehen an der verschlossenen Türe und stecken die Nasen durchs Gitter. Um lesen zu können, was drinnen auf der Tafel steht. Hier, wo das alles begonnen hatte mit dem "Schönen Brunnen".Der Legende nach war Kaiser Matthias, der von 1612 bis 1619 regierte, auf der Jagd gewesen. Es war heiß, ihn dürstete - und da entdeckte er im Wald die Quelle, die fortan "Schöner Brunnen" genannt wurde. Und dieser Brunnen soll dann auch jenem Schloss den Namen gegeben haben, das für die Kaiserwitwe Eleonora von Mantua errichtet worden war. 1660 stand hier noch eine weibliche Statue, aus deren Brüsten das Quellwasser floss. Gebäude und Statue wurden 1683 von den Türken zerstört. Der Name blieb. Wie auch die Quelle, vor der jetzt Friedrich und Joseph stehen. Das erste "Grotta-Haus" hatte der Hofgärtner Adrian van Stekhoven 1758 errichtet. Jetzt ist drinnen die römische Nymphe Egeria zu sehen, wie sie aus einem Steingefäß Wasser spendet. Ansonsten aber ist es in diesem Eck des geschützten Weltkulturerbes ruhig geworden. Wasser plätschert, Eichkatzerln huschen vorbei, hin und wieder kommen Spaziergänger vorüber. Einige aber erinnern sich, dass man hier früher sehr wohl hineingehen konnte und gelabt wurde. Auch Friedrich: "Ich war damals mit einer Schulklasse da. Das ist auch schon wieder 40, 43 Jahre her. Erst heute hab' ich ihn wieder gefunden, den Brunnen." Damals, in Friedrichs Schulzeiten, saß sie schon vor dem Brunnen, die damals bereits alte Frau. Und bot das Schönbrunner Wasser in Gläsern an: Eine besondere Wirkung habe das Wasser. Die alte Frau wurde noch viel älter. Als sie gegen Ende des vorigen Jahrhunderts starb, war sie selbst schon hoch in den 90ern. Seitdem ist der Schöne Brunnen verschlossen. Und das hat auch einen rein pragmatischen Grund: "Das Wasser entspricht nicht mehr ganz den Trinkwasservorschriften", erläutert Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker. (DER STANDARD, Printausgabe 08.08.2002)