Wien - Neuerlich kritisierten die Staatsanwälte die Regierungsvorlage zur Reform des Strafprozesses in einem Hintergrundgespräch mit Justizminister Dieter Böhmdorfer schwer. Das neue Vorverfahren würde die Strafprozesse verlängern, lasse in der Folge auch eine neue Hauptverhandlung nach amerikanischem Muster befürchten, wäre viel zu teuer und bringe schwerwiegende verfassungsrechtliche Probleme mit sich. Kurz: Die Reform bringe deutlich mehr Nach- als Vorteile, fasste Brigitte Bierlein, Präsidentin der österreichischen Staatsanwälte, zusammen.Anders sehen das die Rechtsanwälte. Sie würden im Großen und Ganzen die Regierungsvorlage befürworten, erklärte Elisabeth Rech, Vertreterin der Anwälte. Die Reform setze einen deutlichen Schritt hin zu mehr Rechtsstaatlichkeit. Gerade der Bereich vor den Sicherheitsbehörden müsse geregelt werden, Fehler in diesem Verfahrensabschnitt könnten nie wieder korrigiert werden. Böhmdorfer schließt einen Feinschliff der Regierungsvorlage nicht aus, will aber im Dezember im Plenum über die Regierungsvorlage abstimmen. Richter-Vertreterin Barbara Helige blieb dem Hintergrundgespräch fern. (kob/DER STANDARD, Printausgabe, 8.8.2002)