Wien - Der vom Konjunktureinbruch um sein Nulldefizit gebrachte Finanzminister Karl Heinz Grasser ist auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmen auch bei den fünf bundeseigenen Wohnbaugesellschaften fündig geworden. Sie sollen 100 Mio. EURO abliefern.Möglich wird das, weil die ehemals gemeinnützigen Gesellschaften (Buwog, WAG Linz, ESG Villach, WBG Wien und EBS Linz) im Vorjahr zu gewerblichen Bauträgern umgewandelt wurden. Die Buwog muss für 2001 eine Dividende von 28,5 Mio. EURO (2000: 835.737 EURO) abliefern und löst dafür insgesamt Gewinnrücklagen von 130 Mio. EURO auf, bestätigte Buwog-Chef Gerhard Schuster am Donnerstag vor Journalisten. Mehr als 51 Mio. EURO dürfte die WAG in die Himmelpfortgasse überweisen, den Rest teilen sich die drei anderen Gesellschaften. OGH-Urteil Trotz des von der Arbeiterkammer angestrengten Obergerichtlichen Urteils, dass der Verkauf der Bundeswohnungen an die Mieter über ein gerichtliches Preisfestsetzungsverfahren erfolgen muss, wird die Buwog nur jene Wohnungen verkaufen, die sie aus wirtschaftlichen Gründen für sinnvoll erachtet, betonte Schuster. Ein Beispiel: Wenn, wie in Wien, die Schlichtungsstelle auf einen Preis von 1350 EURO/m² kommt und die Buwog-eigenen Berechnungen 1650 EURO/m² ermitteln, dann "ist das innerhalb unserer Bandbreite, und wir werden verkaufen", erläutert Schuster. Wer allerdings vom Preis noch einen Abschlag (weil er die Wohnung selbst bewohnt) haben will, dem wird die Wohnung nicht verkauft, stellt der Buwog-Chef klar. Kaufinteressenten Gespräche über einen Erwerb der eigenen Wohnung werden nur mit jenen 1328 Kaufinteressenten in 153 von insgesamt rund 400 Objekten weitergeführt. Ein neues Anbot für alle ursprünglich 2001 zum Kauf angebotenen 16.300 Mietwohnungen wird es nicht geben. Eines war allerdings auch zu hören: Dass der gerichtlich festgesetzte Preis mitunter auch höher sein kann als der von der Buwog selbst ermittelte. Bei den 1328 Interessenten rechnet Schuster mit "vielen" Abschlüssen und erwartet, dass diese Kaufverträge bis Ende 2002 unterschrieben werden. Die ersten zehn Wohnungen in Tirol sind bereits verkauft worden, in einer mittleren Lage außerhalb des Großraums Innsbruck. Bei einer durchschnittlichen Größe von 75 m² lag der Preis bei 945 Euro/m². Der Buwog sind dabei 58,1 EURO/m² Gewinn geblieben. Zusammen verfügen die fünf Wohnungsgesellschaften im Bundesbesitz über 60.000 Wohnungen. (cr, DER STANDARD, Printausgabe 9.8.2002)