Wien - Der Wiener FP-Gemeinderat Herbert Rudolph forderte am Donnerstag die Anbringung einer Gedenktafel "für die Opfer der sowjetischen Besatzungszeit" am Wiener Palais Epstein. Das Gebäude an der Ringstraße sei von 1945 bis 1955 Sitz der sowjetischen Militärkommandatur und der "sowjetischen Stasi", der KGB-Vorläuferorganisation NKWD, gewesen, so Rudolphs Begründung in einer Aussendung. Bis heute seien nicht alle Namen und die genaue Zahl jener Österreicher bekannt, die bei den NKWD-Verhören im Epstein ums Leben gekommen seien oder sich durch Selbstmord der Folter entzogen hätten, so der FP-Gemeinderat. Es sei bezeichnend für die zeitgeschichtliche Forschung, dass dieser Teil der Wiener Geschichte kaum aufgearbeitet worden sei. "Sunt Lacrimae Rerum" Eine im Jahr 1993 am Palais Epstein angebrachte Tafel erinnere lediglich daran, dass sich in diesem Gebäude "... von der Befreiung Österreichs im Jahr 1945 bis zur Erringung der Freiheit durch denn Staatsvertrag 1955 die sowjetische Militärkommandatur für Wien" befunden habe. Nur Eingeweihte wüssten um die tatsächliche Bedeutung der lateinischen Unterschrift "Sunt Lacrimae Rerum" auf dieser Tafel. Dieses Zitat - von Rudolph mit "Die Tränen der Dinge" übersetzt - sei ein bewusst versteckter Hinweis auf "die in diesem Haus verbrochenen Leiden, bzw. all das Leiden, das von diesem Haus seinen Ausgang nahm". Bis vor Kurzem war das Palais Amtssitz des Wiener Stadtschulrates. Nach langen politischen Debatten um die Einrichtung eines "Hauses der Geschichte" soll es nun für parlamentarische Zwecke genutzt werden. Rudolph: "Ehe über die Eignung des Palais Epstein als Haus der österreichischen Geschichte weiter diskutiert wird, müsse die Geschichte des Palais Epstein aufgearbeitet werden." (APA)