CLOSER MUSIK
After Love
(Kompakt/Ixthuluh) Das deutsch-chilenische Duo veröffentlicht auf dem Kölner Elektronik-Aushängeschild Kompakt seine Version von gerade schwer angesagtem Techno-Pop. Zwar scheint sich hier, abgesehen von zeitgenössischen House-Einflüssen, seit den Tagen von Depeche Mode in deren Construction Time Again -Phase aus 1983 nicht besonders viel getan zu haben. Eine Tatsache, der sich etwa auch der Erfolg von Miss Kittin & The Hacker verdankt. Wenn man aber Melodien nicht so gern hat wie die Repetition von oft wenig inspirierten Minimal-Motiven, dann wird man hier bestens bedient werden. SWAYZAK Dirty Dancing (!K7/ Ixthuluh) Ähnlich wie Closer Musik legt es auch das Londoner Duo Swayzak an, wenn auch ihre Vision von Techno-Pop etwas geradliniger und eindeutiger auf den Dancefloor abzielt. Mit diversen Gastvokalisten/Innen wie dem "deutschen Elektronik-Elvis" Klaus Kotai oder der herben teutonischen Charme versprühenden Clair Dietrich wird House hier ebenso gestreift, wie man sich sonst im Gegensatz zu Closer Musik und Depeche Mode eher auf frühe 80er-Jahre-Vorbilder wie Cabaret Voltaire oder Clock DVA beruft. Das bedeutet im Vergleich Köln-London, dass in London etwas mehr Feuer im Allerwertesten zu orten ist. DNTEL (This Is) The Dream Of Evan and Chan (Plug Research/Ixthuluh) Nach dem wunderbar melancholischen Laptop-Pop- und Elektronik-Songwriter-Album Life Is Full Of Possibilities aus 2001 legt der amerikanische Heimwerkerkönig Jimmy Tamborello noch ein Schäuferl nach und gibt den darauf enthaltenen Song von Evan und Chan den verhaltenen "Hit" des Albums, zum Remixen frei. Befreundete Musiker wie die nicht minder berückenden Lali Puna aus dem Umfeld der bayerischen Postrock-Könige The Notwist, Barbara Morgenstern, Safety Scissors und Superpitcher begehen dabei nicht den Fehler, das vorhandene Material zu verhackstücken. Vielmehr werden hier, sagen wir es kitschig, zusätzlich Blumen auf ein ohnehin prächtig gedeihendes Rosenbeet gestreut. Der Schönheit eine Chance! Und jede Schönheit braucht auch ihren Makel. Frickel, Knusper, Klick - und Cut. ELECTRIC BIRDS Gradations (Mille Plateaux/ Ixthuluh) Der ehemalige Mitstreiter der einer breiteren Hörerschicht zuletzt durch ihre Zusammenarbeit mit Björk bekannt gewordenen Experimental-Hippies und Alt-Elektroniker Matmos aus San Francisco, Mike Martinez, entwickelt ähnlich wie zuletzt Akufen auf seinem ausgezeichnetem Debüt My Way aus diversen, kaum ihrer Quelle nach zu erkennenden Soundschnipseln eine Form von ambient-lastiger, atmosphärischer Housemusik, bei der auch der strenge Orden der singenden Staubsauger beruhigt mit dem Zeigefinger abtanzen kann. Wenn man so will: House mit 18 Dioptrien. Teilweise klingt das, als ob man elektrisch verstärkt unter Stroboskop-Flackern alte Kekse zerbröseln würde. Charmant! (DER STANDARD, Printausgabe, 9.8.2002)