Istanbul - Die türkische Armee hat nach Presseberichten einen strategisch wichtigen Flugplatz im Nordirak übernommen. Das habe der nordirakische Kurdenchef Jalal Talabani bei einem Besuch in Ankara gesagt, berichteten türkische Zeitungen am Donnerstag. Talabani ist Chef der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), die zusammen mit der rivalisierenden Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) von Massud Barzani seit dem Ende des Golfkriegs 1991 den Norden des Landes kontrolliert. Das Gebiet spielt bei den Überlegungen amerikanischer Militärplaner für einen möglichen Angriff auf den Irak eine große Rolle. Der Nordirak ist seit dem Ende des Golfkriegs 1991 der Kontrolle Bagdads entzogen. Die Provinzen Arbil, Suleimaniya und Dohuk werden von der Demokratischen Partei Kurdistans unter Barzani und der PUK seines Rivalen Talabani kontrolliert. Die PUK beherrscht den östlichen Teil an der Grenze zum Iran, während die KDP weitgehend das Grenzgebiet zur Türkei unter ihrer Kontrolle hat. Von dem Flugplatz im nordirakischen Bamerna aus könne die gesamte Region kontrolliert werden, berichtete die türkische Zeitung "Hürriyet". Die türkische Armee habe schweres Gerät und elektronische Geräte zur Instandsetzung des Flugfeldes geschickt. Der Flugplatz, der noch aus der Zeit vor dem Golfkrieg stamme, sei inzwischen wieder benützbar. Außerdem habe die türkische Armee an verschiedenen Stellen im Nordirak "Sicherheitsposten" eingerichtet. Inoffiziellen Informationen zufolge befänden sich dort mehr als 5000 türkische Soldaten, hieß es in dem Bericht weiter. Dort halten sich auch mehrere tausend Kämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) auf, die sich 1999 aus der Türkei zurückgezogen hatten. Die US-Regierung hat führende Vertreter von sechs irakischen Oppositionsgruppen nach Washington eingeladen. Zu dem Treffen werden auch Talabani und Barzani erwartet. Das Regime des irakischen Staatschefs Saddam Hussein könnte nach Ansicht Talabanis einem US-Angriff nur wenige Tage standhalten. Talabani erklärte am Mittwoch in Ankara, er wolle einen möglichen US-Angriff auf den Irak nur unterstützen, wenn dieser auf die Einsetzung einer demokratischen Regierung in Bagdad zielt. "Wir sind uns bisher über die Ziele der Aktion nicht sicher", sagte der Chef der Patriotischen Union Kurdistans.(APA)