Belgrad - EU-Außenpolitikbeauftragter Javier Solana ist mit dem Tempo der Verfassungskommission in Belgrad unzufrieden, die an der Umwandlung Jugoslawiens in eine Föderation arbeitet. Die Belgrader Tageszeitung "Glas javnosti" berichtet am Donnerstag, dass Solana den Vertreter der EU-Kommission, Thomas Eckhardt, der sich an der Arbeit der Kommission beteiligt, deshalb nach Brüssel zurückbeordert habe. Frustration über die erfolglosen Bemühungen, eine neue Verfassung für "Serbien und Montenegro" zu erarbeiten, macht sich auch unter Mitgliedern der Verfassungskommission breit. "Es gibt kaum den Willen zur Abstimmung der Standpunkte", beschrieb der Spitzenfunktionär der Demokratischen Partei Serbiens (DSS), Zoran Sami, das in der Verfassungskommission herrschende Klima. In der Unterkommission des Gremiums, die bis Montag einen endgültigen Verfassungsentwurf vorlegen soll, hat man sich angesichts der enormen Unterschiede darauf geeinigt, keine Präambel für das Grundgesetz zu verfassen. Vertreter Belgrads und Podgoricas wollen "Serbien und Montenegro" als Staatengemeinschaft zu definieren. Über das Staatswappen, Flagge, Hymne, Staatsbürgerschaft, ja über die Hauptstadt des umgebildeten Staates, gibt es allerdings keine Einigung. Trotz mühsamer Arbeit in der Verfassungskommission sind etliche wichtige Fragen weiterhin offen. Er befürchte, dass man in die Situation geraten werde, seine politische Unmündigkeit zu beweisen, wurde Sami von "Glas javnosti" zitiert. Aus Kreisen der Belgrader Mitglieder der Verfassungskommission war in den letzten Tagen wiederholt zu hören, dass die Aufnahme Jugoslawiens in den Europarat durch Verzögerungen bei der Erarbeitung der Verfassung des umgebildeten Staates bereits ernsthaft bedroht sei. Die Parlamentarische Versammlung des Europarates soll über die Aufnahme Jugoslawiens am 24. September entscheiden. Die Parlamente Jugoslawiens, Serbiens und Montenegros sollten die neue Verfassung Anfang September absegnen.(APA)