Den Haag - Mehr als zwei Jahre nach der verheerenden Feuerwerkskatastrophe in der niederländischen Stadt Enschede mit 22 Toten hat der Staatsanwalt am Donnerstag 15 Jahre Haft für den mutmaßlichen Brandstifter gefordert. Der 35 Jahre alte Angeklagte A. V. habe am 13. Mai 2000 absichtlich den Brand ausgelöst, der die Feuerwerkskörper auf dem Gelände der Fabrik S.E. Fireworks explodieren ließ, sagte der Ankläger vor dem Landgericht in Almelo. Die Verteidigung forderte dagegen Freispruch wegen unzureichender Beweise. Bei der schweren Explosion an einem Samstagnachmittag war das gesamte Wohnviertel Roomwijk in Enschede vernichtet worden. Viele Gebäude wurden dem Erdboden gleich gemacht und die Zahl der Verletzten ging in die Hunderte. Ein Teil des Gebiets ist inzwischen wieder bewohnbar gemacht worden. Zurechnungsfähig Nach Überzeugung des Staatsanwalts war der Angeklagte voll zurechnungsfähig, als er den Brand legte. Er habe wissen müssen, dass durch seine Tat andere ums Leben kommen könnten, sagte der Ankläger. Dies folgerte er aus dem Bericht über eine psychiatrische Untersuchung des Angeklagten, die das Gericht im April angeordnet hatte. Der Verteidiger wies jedoch die Schlussfolgerungen des Anklägers aus dem Bericht der Gutachter zurück. Nach seiner Überzeugung reichen auch die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise nicht zu einer Verurteilung aus. Keine Alleinschuld Nach Darstellung des Anklägers hätte er auch lebenslange Haft beantragen können. Da aber auch andere erhebliche Schuld an der Katastrophe trügen, habe er auf die höhere Forderung verzichtet. Er verwies damit auf die unerlaubt großen Mengen schwerer Explosionsstoffe auf dem Fabriksgelände und auf mangelnde Aufsicht der Behörden. Im April 2002 sind die beiden Direktoren der Fabrik für Feuerwerkskörper, Ruud Bakker und Wim Pater, wegen Verstößen gegen die Umweltschutzbestimmungen zu je sechs Monaten Haft verurteilt worden. Gegen das Urteil hat die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. (APA/dpa)