Stockholm/London - Die gute Nachricht: In den meisten Fällen geht die Adoption von Kindern, die aus anderen Ländern bzw. Erdteilen kommen, gut. Die schlechte Nachricht: Die Kinder haben trotzdem ein im Vergleich zu Kindern aus dem "Ankunftsland" höheres Risiko für psychosoziale Schwierigkeiten. So weisen sie eine drei- bis fünffach höhere Selbstmordrate auf. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten schwedischen Studie, die in der neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" (10. August) veröffentlicht wird. "Es kann gar nicht stark genug betont werden, dass die meisten aus anderen Ländern stammenden Adoptivkinder sich in Sachen psychischer Gesundheit bzw. Kriminalitätsrate kaum von der generellen Bevölkerung unterschieden. Die Studie von Hjern (schwedischer Autor, Anm.) zeigt keine Anzeichen einer schlechten Anpassung von 84 Prozent der männlichen und 92 Prozent der weiblichen Adoptivkinder in Schweden", schreibt der US-Kinderpsychiater Wun Jung Kim (Ohio) in einem Kommentar zu der wissenschaftlichen Untersuchung von Dr. Anders Hjern vom Zentrum für Epidemiologie der schwedischen Wohlfahrtsbehörde in Stockholm. Geburtsjahrgänge 1970 bis 1979 analysiert Hjern und seine Kollegen haben Schicksale von Kindern aus den Geburtsjahrgängen 1970 bis 1979 analysiert: Kinder von schwedischen Paaren, in Schweden geborene Geschwister von Adoptivkindern und Kinder, die aus Lateinamerika oder Asien stammten und vor ihrem siebenten Geburtstag in Schweden ankamen. Die wichtigste Erkenntnis: Die Rate der Selbstmorde, Selbstmordversuche, Spitalsaufnahmen wegen psychiatrischer Erkrankungen sowie Missbrauch von Drogen oder Alkohol war unter den Adoptivkindern aus den anderen Kontinenten um drei bis vier Mal größer als unter Kindern aus der schwedisch-stämmigen Bevölkerung. Trotzdem bieten die Adoptionen natürlich allen Beteiligten zumeist Vorteile, betonen die Fachleute. Sie helfen von ihren Eltern verlassene Kinder zu versorgen. Von den Adoptiveltern werden sie liebevoll aufgenommen und fördern den Abbau von Vorurteilen. (APA)