Wien - Nur wenige Tage nach dem Krach um mögliche Kooperationen mit europäischen, extrem rechtsgerichteten Parteien steht der FPÖ der nächste Richtungsstreit ins Haus. Altparteiobmann Jörg Haider entzieht jetzt seiner Partei in zwei wesentlichen politischen Fragen der Koalitionsregierung - Nulldefizit und Abfangjäger - die Unterstützung.Ganz offensichtlich im Lichte des erfolgreichen Volksbegehrens gegen die Eurofighter, das laut Meinungsforschern auch zahlreiche FPÖ-Wähler unterschrieben haben, vollzog Haider am Donnerstag in der Eurofighterfrage einen ersten Schwenk. Voller Inflationsabgleich Er wich von seiner bisherigen strikten Pro-Haltung ab und junktimierte den Ankauf mit einer Pensionsabsicherung. Haider verlangte, die Koalitionsregierung möge vor dem Ankauf der Abfangjäger "gesetzlich die Pensionen für die ältere Generation garantieren". Es müsse "jegliche Gefährdung der sozialen Sicherheit" durch die Abfangjägerentscheidung ausgeschlossen werden. Die Regierung solle im Rahmen der Sondersitzung beschließen, dass die kommende Pensionsanpassung mit einem vollen Inflationsausgleich gekoppelt werde. Damit wäre sichergestellt, dass die Abfangjäger-Entscheidung niemand in seiner sozialen Sicherheit benachteilige , argumentierte Haider. Aus dem Büro von Verteidigungsminister Herbert Scheibner kam dazu nur ein knappes "kein Kommentar." FPÖ-Sozialminister Herbert Haupt ging dagegen sofort auf Distanz zu Haider. Es sei derzeit noch zu früh für Aussagen zur Höhe der nächsten Pensionsanpassung. Sicher sei lediglich, dass es in der Sondersitzung des Parlamentes keinen Beschluss über eine eventuelle vollen Inflationsabgeltung geben werde. Gorbach zürnt Noch schärfer reagierte auf Haiders Abweichen vom Koalitionskurs sein Vorarlberger Parteifreund Hubert Gorbach in der Frage des Nulldefizits. Haider hatte vorgeschlagen, für eine Steuerreform und Belebung der Wirtschaft eine staatliche Neuverschuldung in Kauf zu nehmen. Haider argumentierte, besser man belebe die Wirtschaft und schaffe Arbeitslätze, "als man hat die Leute herumsitzen und freut sich über das Nulldefizit". Der Vorarlberger FP-Chef Gorbach attackierte, diese Meinung sei "nicht Parteilinie". In den FPÖ-Gremien sei darüber nicht gesprochen worden. Böhacker "etwas vorsichtiger" FP-Budgetsprecher Hermann Böhacker kann sich wenigstens "ein bescheidenes Budgetdefizit von einem oder 0,8 oder 1,2 Prozent" des BIP vorstellen (ein Prozent sind rund 2,18 Mrd. Euro). Der Haider-Vorschlag (1,5 Prozent) geht ihm aber zu weit: Da wäre er "etwas vorsichtiger". In der ÖVP gab man sich am Donnerstag bedeckt. Das sei eine "typische Haider-Aktion", hieß es hinter vorgehaltener Hand. Offiziell erteilte VP- Finanzsprecher Günter Stummvoll Haider eine Abfuhr. Stummvoll: "Eine Steuerreform auf Pump kommt nicht infrage." Oberösterreichs Landeschef Josef Pühringer ist zwar für eine Steuerreform, der Zeitpunkt der Einführung und der Umfang der darin enthaltenen Erleichterungen für die Steuerzahler müsste aber so gewählt sein, dass sie "leistbar" sei. Der grüne Wirtschaftssprecher Werner Kogler sprach von einer "Zerreißprobe innerhalb der FPÖ, aber auch der Regierung" und befürchtet neue Sparpakete. In der SPÖ bekräftigte man die Forderung nach einer Entlastung mit Wirksamkeit Anfang 2003. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 9.8.2002)