"Mein Haus ist jetzt eine Insel." Und dabei hatte der Wiener Softwareunternehmer Thomas Stern noch Glück: Wenige Minuten bevor er Mittwochabend gegen 21 Uhr sein Ferienhaus an der Aist, wenige hundert Meter oberhalb Schwertbergs mit seien beiden Kindern aufgab, hatte er noch die Türen mit PU-Schaum und Silikon abzudichten versucht. Die Aist ist normalerweise ein romantischer Bach Zu diesem Zeitpunkt war die Aist - normalerweies ein wenige Meter breites Flüsschen, das rund vier Meter unter seinem Haus vorbeifließt - nur noch zehn Zentimeter unter der Gartenkante gestanden. Als sich Stern Donnerstagmittag dann die wenigen hundert Meter vom Haus eines Bekannten – bei dem er und seine beiden Kinder Unterschlupf gefunden hatten - durch den Wald zurück zu seinem Haus gekämpft hatte, konnte er aufatmen: Vom Garten war zwar nichts mehr übrig, ein großes Stück Hang weiter flussaufwärts war ins Tal gedonnert und der Spazierweg entlang des sonst recht romantischen Baches war verschwunden - aber im Haus selbst stand das Wasser "nur" einige Zentimeter hoch. "Draußen war die Hochwassermarke einen halben Meter über Grund." Die Straße existiert nicht mehr Die Straße durch das so genannte Josefstal, berichtet Stern dem Standard, "existiert nicht mehr. Sie ist auf große Strecken einfach weg. Das ist absolut faszinierend: Man geht um die Kurve und da ist dann auf einmal nichts mehr." Auch Brücken, Schuppen, Bäume und Sträucher konnten der Gewalt des Wassers nicht standhalten. "Die Aist ist jetzt 40 Meter breit" "Die Aist ist jetzt 40 Meter breit." Von Feuerwehr, Bundesheer oder Gendarmerie, erzählt Stern, sei bis Donnerstagnachmittag weit und breit nichts zu sehen gewesen: "Die hackeln in dichter bewohnten Gebieten bis zum Umfallen, hier sind wir auf uns alleine gestellt." Wirklich allein, relativiert Stern, sei er hier ein paar Kilometer außerhalb von Schwertberg aber nicht: "So wie ich sind auch etliche Arbeiter über die Hügel und durch den Wald hierher zurückgekommen." Einige von ihnen hätten sich sogar schon am Abend und in der Nacht auf den Weg gemacht - um in den hier unmittelbar an der Aist liegenden Fabriken (zumeist Papier und Pappe) zu retten, was zu retten sei. Stern: "Die sind bis zur Brust im Wasser gestanden." Viel genutzt habe es aber dann doch nicht: "Der Industriestandort existiert praktisch nicht mehr. Die Gebäude sind noch da. Aber Lager und Magazine sind weg. Und die Maschinen in den Hallen kann man vermutlich weg schmeißen. Die können hier de facto zusperren" (Thomas Rottenberg,DER STANDARD Printausgabe 9.8.2002)