Paris - Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin hat die für 2004 in Dugny bei Paris geplante Weltausstellung "Expo 2004" abgesagt. Wie es am Mittwochabend aus Regierungskreisen hieß, hätten vor allem finanzielle Grün-de zu der Entscheidung geführt. Außerdem gebe es organisatorische Probleme und geringes Interesse aufseiten der ausländischen Partner. Nicht einmal zehn Länder hätten ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet, hieß es. Erhofft hatte man sich die Teilnahme von 60 bis 80 Ländern. "Alle denkbaren Bilder" Catherine Trautmann, Kulturministerin der früheren sozialistischen Regierung und Generalsekretärin der Expo, hatte die architektonischen Planungen Ende Juni vorgestellt. Die Ausstellung sollte unter dem Titel "Images" von Mai bis August 2004 geöffnet sein und laut Planungskomitee "alle nur denkbaren Bilder aus der jetzigen Welt zeigen". Themenschwerpunkte dabei sollten Kunst, Design, Film, Architektur und Werbung sein. Als Gesamtkosten waren rund 395 Millionen Euro vorgesehen. Französische Oppositionspolitiker haben die Absage der Expo scharf kritisiert und Pre-mierminister Raffarin Verantwortungslosigkeit vorgeworfen. Es handle sich um eine rein politisch motivierte Entscheidung, die der betroffenen Region schweren Schaden zufüge, sagte Jean-Paul Huchon von der Sozialistischen Partei (PS). Jean-Christophe Lagarde von der rechtsliberalen UDF forderte Schadenersatz für das betroffene Département Seine-Saint-Denis. Die Absage sei ein harter Schlag für Tourismus, Wirtschaft und Kultur in der Region. Weltausstellungen werden seit 1851 in unregelmäßiger Folge an wechselnden Orten ausgerichtet. Für die Vergabe der prestigeträchtigen Veranstaltungen ist das 1928 dafür geschaffene "Internationale Ausstellungsbüro" in Paris zuständig. Die nun abgesagte Weltausstellung wäre nach der im Jahr 1937 das erste derartige Großereignis in Frankreich gewesen. Die nun nächste Weltausstellung, die "Expo 2005", will Japan ausrichten. (dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 09.08.2002)