... aber der Donnerstagabend gehört im Fernsehen den Damen und Herren in Weiß (oder Hellgrün). Und wen zwischen "Sommer und Bolten - Gute Ärzte, keine Engel" und "OP ruft Dr. Bruckner - Die besten Ärzte Deutschlands" Entscheidungsschwäche plagte, der konnte "Die Beauty-Klinik" konsultieren und etwa dabei zusehen, wie gut gebaute Twens zur weiteren Optimierung ihrer selbst schreiten.Inzwischen haben auch die um seriöse Information bemühten Sender erkannt, dass kein Weg mehr vorbeiführt an der Thematisierung von Fettabsaugung, Brustvergrößerung oder Botox-Spritze. Mit Bedauern stellt man allerdings fest, dass sich - wie etwa kürzlich bei Arte - die Kritik an der waltenden Gehirnwäsche der Schönheits-OP-Propagandisten schnell in den Schleifen griffiger Klischees und halbherziger Erklärungsmuster (Schönheitskult, ewige Jugend - no na) verfängt. Interessanter sind da schon Informationen wie jene, dass mittlerweile eigene Medienagenturen zwischen Patienten, Kliniken und TV-Sendern vermitteln und so etwa mittellose OP-Willige genauso wie Redakteure zum gewünschten Ergebnis kommen. Dass TV-Bilder von Fettabsaugekanülen, die entsprechenden Handgriffe und die abgesaugte, wabbelige, gelbliche Körpermasse und ähnliches längst so normal sind wie die Wetterkarte, wird damit als Phänomen zwar nicht verständlicher, aber praktisch nachvollziehbarer. (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 9.8.2002)