Crawford/Washington - US-Präsident George W. Bush hat nach eigenen Angaben keinen Zeitplan für die Entscheidung über einen möglichen Militärschlag gegen den Irak. Das sagte er am Samstag an seinem Urlaubsort in Texas. Die US-Regierung habe aber ihre Entschlossenheit unterstrichen, einen Regimewechsel im Irak herbeizuführen, sagten irakische Oppositionspolitiker in Washington. Sie waren dort nach einem Gespräch mit Vizepräsident Richard Cheney überraschend auch mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zusammen getroffen. "Wir haben keinen Zeitplan für unsere Entscheidungen betreffend Irak", sagte Bush vor einem Golfspiel in der Nähe seiner Ranch in Crawford (Texas). Er betrachte den Irak jedoch nach wie vor als Feind, bis das Gegenteil bewiesen sei. "Wenn wir davon sprechen, die Welt sicherer zu machen, dann tun wir das nicht nur im Zusammenhang mit Terrorgruppen wie El Kaida, sondern auch mit Ländern, die bewiesen haben, dass sie schlechte Nachbarn sind", sagte Bush. Die irakischen Oppositionspolitiker bezeichneten ihre Gespräche in Washington am Samstag als "fruchtbar". "Wir haben über unsere gemeinsame Vision eines freien, demokratischen, pluralistischen Irak gesprochen, den sowohl die USA als auch das irakische Volk erreichen wollen", sagte Sharif Ali Bin Al-Hussein, Sprecher des Irakischen Nationalkongresses (INC), anschließend. Das Gespräch mit Cheney fand im Amtssitz des Vizepräsidenten neben dem Weißen Haus statt. Cheney war per Videotelefon von seinem Urlaubsort in Wyoming zugeschaltet. Rumsfeld war danach überraschend zu den Gesprächen hinzugestoßen. Die Oppositionspolitiker, darunter Vertreter der Kurdengruppen, der Monarchiebewegung im Irak und der schiitischen Opposition mit Sitz im Iran, sollten ursprünglich nur von Staatssekretären empfangen werden. Die Gespräche mit Cheney und Rumsfeld sowie eine unerwartete Begrüßung durch Außenminister Colin Powell am Freitag haben ihren Besuch in Washington erheblich aufgewertet. "Unser gemeinsames Ziel ist die Befreiung des irakischen Volkes", versicherte Powell den Besuchern. Die Iraker demonstrierten nach Angaben der US-Regierung Einheit und Entschlossenheit. Sie stellten klar, dass sie den Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein in Bagdad selbst durchführen wollen. "Wir werden Saddam aus Bagdad entfernen. Wir kennen das Terrain und die Leute", sagte Feisal Karagholi, ein Sprecher des INC im US-Fernsehen. Im Außenministerium baten die Oppositionspolitiker die USA und die internationale Gemeinschaft jedoch um Rückendeckung für ihre Bemühungen um einen Sturz von Saddam Hussein. "Wir haben uns geeinigt, dass das irakische Volk und die irakische Opposition mit der Hilfe der internationalen Gemeinschaft gemäß den UNO-Resolutionen daran arbeiten, Saddam zu stürzen", sagte Hamid Al- Bayati, Mitglied des Obersten Rats der Islamischen Revolution im Irak, nach dem Gespräch. Bayati kündigte Pläne für eine größere Konferenz in den nächsten Wochen in Europa an, um den Widerstand gegen Saddam zu koordinieren. Daran sollten alle Oppositionsgruppen teilnehmen. Ziel sei es, konkrete Pläne für den Aufbau einer demokratischen Regierung in Bagdad auszuarbeiten. Der frühere US-Außenminister Henry A. Kissinger forderte in der Frage der Waffenkontrollen im Irak ein Ultimatum an das Regime in Bagdad. In einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag" schreibt Kissinger, mit der Drohung einer militärischen Intervention solle man versuchen, Bagdad zu Kontrollen zu zwingen, die über das ursprüngliche System der UNO-Waffeninspektionen hinausgehen.(APA/dpa)