Wien - Der Vorschlag, Unternehmern minderqualifizierte Arbeitslose durch verringerte Sozialversicherunsabgaben als Arbeitnehmer schmackhaft zu machen, stößt auf eine breite Front der Ablehnung. "Das bringt nichts", lehnt man auf Standard-Anfrage die Idee des Wirtschaftsförderungsinstitutes (Wifo) sowohl im Büro von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, bei der Arbeitsmarktverwaltung (AMS) als auch in Wirtschafts- und Arbeiterkammer ab. "Falsches Signal" Der Stein des Anstoßes: Um arbeitslosen Menschen mit niedriger Qualifikation zu Jobs zu verhelfen, sollte, zumindest temporär, eine Verringerung der Lohnnebenkosten, etwa der Sozialversicherungsabgaben, angedacht werden. Ergänzt durch den Bezug einer teilweisen Arbeitslosenunterstützung sollten die Joblosen für Unternehmen interessant gemacht werden, meinte Wifo-Expertin Gudrun Biffl. Durch die Mindestsockelbeträge für Niedriglohnbezieher und eine übertrieben hohe Anhebung der Einstiegslöhne seien Minderqualifizierte für Arbeitgeber schlicht zu teuer geworden, hieß es. Der aktuelle Bezug des Vorschlags: Von den rund 192.000 aktuellen Arbeitslosen im Juli haben 79.000 nur einen Pflichtschulabschluss vorzuweisen. Trotzdem wäre "eine derartige Lohnsubvention das falsche Signal", meint Martin Gleitsmann, der Chef der sozialpolitischen Abteilung der WKÖ. Man müsse diese Arbeitnehmer vielmehr besser qualifizieren, da die heimischen Unternehmen in einem erweiterten Markt nur mit Qualität reüssieren werden können. "Soziale Verwerfungen" AMS-Chef Herbert Buchinger und AK-Sozialexperte Gernot Mitter befürchten vor allem "soziale Verwerfungen". Durch eine Niedriglohnförderung könnte nicht mehr Jobpotenzial gehoben werden. Suchen sich Arbeitgeber nämlich bevorzugt solche geförderten Leute aus dem Pool, würden die Nichtsubventionierten in die Arbeitslosigkeit abdriften. Im Übrigen vergibt das AMS bereits jährlich rund 10.000 Lohnkostenzuschüsse an heimische Betriebe. Der typische Bezieher einer Eingliederungshilfe sei meist im Dienstleistungssektor, "männlich, hat nur die Pflichtschule absolviert und ist über 45", schildert AMS- Sprecherin Beate Sprenger. Ein entsprechender Lohnzuschuss kann bis zu 50 Prozent betragen und macht im Durchschnitt rund 7270 € (für neun Monate) aus. Kombilöhne - ein "Faulbett" Der Wifo-Vorschlag erinnere viel zu sehr an das Kombilohn-Modell der rot-grünen Regierung, dass schon in Deutschland sehr wenig gebracht habe und für Österreich untauglich sei, heißt es im Ministerbüro Bartenstein. Hierzulande fahre man mit den besonderen Eingliederungshilfen besser. Durch subventionierte Arbeitskäfte "würden nur alle anderen, die Arbeits- und Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, schwer unter Druck geraten". Es sei vielmehr "generell Qualifizierung gefragt, auch wenn eine Gesellschaft immer auch Low Jobs brauche". Und auch im Finanzsektor der Stadtregierung Wien ist man von möglichen neuen Lohnzuckerln wieder abgekommen. Es habe sich herausgestellt, dass Kombilöhne nur "ein Faulbett für Unternehmer wären", heißt es, nachdem man noch im Frühjahr 2002 darüber nachgedacht hatte. (Monika Bachhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.8.2002)