Wien - Die Jobmisere trifft derzeit immer öfter Arbeitnehmer, die sich am Markt besonders schwer tun: Ältere und Jugendliche. So stieg die Zahl der 15- bis 24-Jährigen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 6800 auf 36.600 und damit gleich um 23 Prozent. Die Zahl der jungen Leute, die eine Lehrstelle suchen, nahm im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 700 oder 26,9 Prozent auf 3300 im Monatsschnitt zu. Dem stehen fast vier Prozent weniger offene Lehrstellen gegenüber. Prekär ist die Jobsituation auch für Menschen über 60, wo es eine Zunahme von 58,2 Prozent an Arbeitslosen gab. Und es scheint generell nicht besser zu werden. Das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) ist für das zweite Halbjahr 2002 mit Blick auf die Konjunkturentwicklung pessimistischer als die Wirtschaftsforscher. Die prognostizierte Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent sei für das Gesamtjahr "zu optimistisch", meint AMS-Chef Herbert Buchinger, der die Quote eher bei sieben Prozent ansiedelt.

Im Schnitt waren im ersten Halbjahr 2002 in Österreich um 17,5 Prozent bzw. 36.400 Personen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres ohne Beschäftigung.

Eingefroren

Trotz düsterer Prognosen bleiben die Mittel des AMS für die aktive Arbeitsmarktpolitik bei 600 Mio. EURO und damit auf Vorjahresniveau eingefroren. Bad News gibt es auch für das heurige Budget zu melden. Transferzahlungen in das Pensionssystem auf dem Rekordniveau von 1,45 Mrd. EURO sind der Grund dafür, dass Buchinger mit einem Defizit in der Arbeitslosenversicherung in Höhe von bis zu 850 Mio. EURO rechnet. Im Budgetplan der Regierung sind dafür allerdings nur bis zu 500 Mio. EURO vorgesehen.

Angesichts der Knappheit der Mittel müsse man sich auch weiterhin primär auf die Beschäftigungsförderung konzentrieren, meint der AMS-Chef, auch wenn er eigentlich lieber verstärkt auf Qualifizierungsförderung setzen möchte.

Da heuer mehr Arbeitslose mit gleich hohen Mitteln für Schulungen und Lohnzuschüsse auskommen müssen, werde man das im nationalen Beschäftigungsplan formulierte Ziel, 20 Prozent der Arbeitslosen in aktiven beschäftigungspolitischen Maßnahmen zu haben, heuer nicht erreichen, so der AMS-Chef. Im ersten Halbjahr lag die Quote nur bei 17 Prozent. (bach/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2002)