Celle - Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber hat dem vom deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder propagierten deutschen Weg in der Außenpolitik eine Absage erteilt. Er werde immer die deutschen Interessen betonen, könne aber vor einem deutschen Weg in der Außenpolitik nur warnen, sagte Stoiber am Samstag auf einer Wahlkampfkundgebung in Celle. Deutschland müsse in die europäische Union eingebettet sein und europäische Entscheidungen treffen. Den Begriff deutscher Weg sei "sehr missverständlich" und rufe "Ängste bei den Anderen hervor". Stoiber kritisierte auch die Äußerungen des Bundeskanzlers gegen einen möglichen Irak-Krieg. "Er warne davor, Fragen zur Unzeit zubeantworten, die sich gar nicht stellen", sagte der Kanzlerkandidat. Man müsse zunächst abwarten, was der Weltsicherheitsrat am Ende tun werde, und sich dann mit den europäischen Partnern abstimmen. Die Vorschläge der Hartz-Kommission wies der bayrische Ministerpräsident erneut zurück. Es handle sich um das 52. Gutachten, dass die rot-grüne Bundesregierung zur Arbeitsmarktpolitik in Auftrag gegeben habe. Die Regierung sei nicht nur Weltmeister im Anfordern von Gutachten, sondern auch Weltmeister darin, deren Empfehlungen nicht zu beachten. Die Vorschläge von Hartz seien ein Dokument der Unfähigkeit der Regierung Schröder, in den vergangenen vier Jahren das Probleme der Arbeitslosigkeit zu lösen. Man werde die Arbeitsmarktprobleme nicht dadurch lösen, dass man die Arbeitslosen besser vermittele, betonte der Kanzlerkandidat. Einige Vorschläge der Kommission, wie die Personalserviceagenturen oder die Ich-AGs, seien an Naivität nicht zu übertreffen. Ein Gutachten, dass den Mund so voll nehme, könne er zudem nicht besonders ernst nehmen. Für ihn sei das Gutachten kein Thema, sondern Wahlkampfgeklingel. "All das Hartz-Gequatsche nützt uns nichts", so Stoiber wörtlich. Berichte, CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sei nach einem Wahlsieg der Union als Kanzleramtsminister vorgesehen, wies Stoiber zurück. Das sei "alles Spekulation". Den Bürgern gefalle es nicht, wenn man vorzeitig über die Verteilung von Ministerposten rede. Die Union verwende ihre gesamte Energie darauf, die Bundestagswahl zu gewinnen und befinde sich in guter Verfassung. Bei den Wählern kippe die Stimmung zu Gunsten eines Wechsels. An der CDU-Wahlkampfkundgebung vor dem Celler Schloss nahmen rund 4.000 Zuhörer teil. Die Veranstaltung, bei der auch der gerade Amt bestätigte CDU-Landesvorsitzende Christian Wulff als Redner auftrat, schloss sich an einen zweitägigen Landesparteitag der niedersächsischen CDU in Celle an.(APA/AP)