Wien - Die anhaltende Börsenbaisse bringt die Fondsindustrie in schwere Not. Ihr schwinden Geld und Kunden: Die Fondsanleger haben in den vergangenen Jahren schmerzvoll Vermögen verloren - im Durchschnitt der Fondskategorien ist etwa ein Drittel des Vermögens weg. In den USA müssen Fondsgesellschaften ihren Anlegern deshalb Milliarden auszahlen, weil sie sich von ihren verlustreichen Anteilen endgültig trennen und sich die verbliebenen Anteile bar auszahlen lassen. In Europa hält sich diese "Rückflüsse" genannte und für Fonds lebensbedrohliche Kundenflucht noch in Grenzen. Aber Kursverluste, zu geringes Volumen und falsche Anlagestrategien zwingen immer mehr Gesellschaften dazu, ihre Fonds zuzusperren oder mit Geschwistern zu verschmelzen. In Deutschland haben heuer bis jetzt fast fünf Dutzend Fonds geschlossen. Der Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften rechnet mit bis zu 150 weiteren Beerdigungen. Kein Überschwappen auf Österreich Dass diese Sterbewelle auf die 1700 österreichischen Fonds überschwappt, hält der Chef der Vereinigung heimischer Investmentgesellschaften, Wolfgang Dorten, für "absolut unwahrscheinlich". Österreich sei diesbezüglich noch eine Insel der Seligen, sagt er. Das liegt auch an der Vorsicht der Österreicher: Sie haben ihr Fondsgeld überwiegend in Anleihen (54,4 Prozent) investiert, gefolgt von gemischten Fonds (25,5 Prozent). Dadurch schlägt die Aktienkrise insgesamt weniger hart durch. Im Gegensatz etwa zu Deutschland gibt es hier auch viel weniger Nischenfonds, etwa im Tech-Bereich, wo internationale Fonds bis zu 70 Prozent verloren haben. "Diese Nischenfonds sind bei uns eher in Dachfonds eingemeindet", erklärt Dorten. Sie finden sich also in einem Korb, wo andere Fonds die Verluste ausgleichen.

Insgesamt weist die Statistik der 23 heimischen Fondsgesellschaften zum Halbjahr einen Vermögensverlust von zwei Mrd. auf 89,9 Mrd. Euro aus. Der Großteil sind Kurswertverluste. Statistisch gesehen ist Österreich damit ein Fondsland, mit Pro-Kopf-Fondsveranlagung von über 10.500 Euro. Das heißt, die Österreicher rennen ihren Fonds nicht in Scharen davon, legen aber neues Geld in Sparbücher (Sparguthaben derzeit 125 Mrd. Euro) oder Bausparverträge an. Dort werden Zuflüsse verzeichnet.(Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 12.08.2002)