Belgrad/Skopje - Knapp einen Monat vor der Parlamentswahl in Mazedonien am 15. September zeichnet sich sowohl unter der slawischen als auch der albanischen Volksgruppe eine Sieg der Oppositionsparteien ab. Nach der am Montag veröffentlichten jüngsten Meinungsumfrage liegt das Bündnis "Gemeinsam für Mazedonien", deren größte Partei der Sozialdemokratische Bund Mazedoniens (SDSM) des früheren Ministerpräsidenten Branko Crvenkovski (1992-1998) ist, bei 30 Prozent der Stimmen unter den slawischen Mazedoniern. Auch unter den Albanern liegt ein Oppositionsbündnis vorne. Der Union "Gemeinsam für Mazedonien" gehören auch mehrere kleine Minderheitenparteien der Bosniaken, Serben, Roma und Türken an. Die regierende Partei VMRO-DPMNE von Ministerpräsident Ljubco Georgievski und ihr Bündnispartner, die Liberale Partei von Stojan Andov, würden nach der Umfrage des amerikanischen Internationalen Demokratischen Instituts (IDI) nur neun Prozent der Stimmen bekommen. Unter den albanischen Parteien genießt die erst kürzlich gebildete Demokratische Eingliederungsunion des einstigen Anführers der Nationalen Befreiungsarmee (ONA), Ali Ahmeti, genießt die Unterstützung von zwölf Prozent der Bevölkerung. Die regierende Demokratische Partei der Albaner (DPA) von Arben Xhaferi hingegen hat derzeit nur das Vertrauen von fünf Prozent der Wähler. Mit dem Näherrücken der heißen Wahlkampfphase wächst unterdessen die Angst vor gewalttätigen Ausschreitungen. Immer öfter klagen Medienvertreter über Pressionen und direkte Drohungen durch Anhänger der Regierungsparteien. Nach einer Untersuchung des Zentrums für ethnische Fragen in Skopje rechnen 21 Prozent der slawischen Bevölkerung und knapp 30 Prozent der Albaner mit einem Aufflammen der Gewalt im Wahlkampf. Auch eine Einsatz von Milizen zur direkten politischen Druckausübung wird befürchtet. Die Vertreterin der Journalistenvereinigung (UNM), Katerina Blazevska, berichtet von deutlichen "Warnungen an Journalisten". Der bisher krasseste Fall seine jener der Mitarbeiterin des TV-Senders "A1", Mare Soilova, gewesen. Als sie aus der ostmazedonischen Kleinstadt Vinica berichtete, stürmten acht Angreifer ihr Auto und zerbrachen sämtliche Fensterscheiben. Soilova berichtete über finstere finanzielle Machenschaften, in die auch Bürgermeister Goran Angelov von der VMRO-DPMNE verwickelt sein soll. Auch die internationalen Organisationen bereiten sich im Zuge ihres Einsatzes während der Wahl auf einen Ausbrucj von Gewalt vor. Die OSZE will bis zum Wahltag 4.200 mazedonische Polizisten ausbilden, die am 15. September für die Sicherheit der Wahllokale sorgen sollen. Die Organisation wird gemeinsam mit der NATO die Wahl in Mazedonien mit etwa 750 Wahlbeobachter überprüfen.(APA)