Napster, der Prototyp aller Peer-to-Peer-Tauschbörsen im Internet, steht zum Verkauf. Der Gläubigerausschuss der insolventen Online-Musikbörse hat die kalifornische Investmentbank Trenwith Securities mit der Suche nach Investoren beauftragt, berichtet die Los Angeles Times http://www.latimes.com . Die Gläubiger erwarten sich davon ein höheres Angebot als von Bertelsmann. Angesichts des Führungswechsels bei dem deutschen Medienkonzern ist die Zukunft von Napster als Teil von Bertelsmann zudem ungewiss.

Bertelsmann hat im Mai ein Übernahmeangebot von neun Mio. Dollar gemacht (etat.at berichtete). Allerdings hat der Konzern schon in der Vergangenheit wesentliche Summen zur Finanzierung der Umstellung auf einen legalen Service sowie für den Rechtsstreit mit den Musiklabels in die Tauschbörse gesteckt. Mit diesen Darlehen beträgt das Angebot daher etwa 100 Mio. Dollar. Der Gläubigerausschuss will nun bessere Angebote einholen und hat sich laut LA Times diesbezüglich an verschiedene Investoren gewandt, darunter auch an die großen Musiklabels, die Napster in den Bankrott geklagt haben. Ab einem Angebot von mindestens 25 Mio. Dollar kann mitgeboten werden, weil der Gläubigerausschuss und Trenwith Securities hoffen, dass der 85 Mio.-Dollar-Kredit von Bertelsmann als Fremdkapital gewertet wird.

Napster-Zukunft durch Abgang von Middelhoff ungewiss

Seit dem Abgang von Middelhoff als Bertelsmann-Chef ist die Zukunft von Napster ungewiss. Middelhoff wollte den deutschen Medienunternehmen zu einem modernen internationalen Konzern machen. Napster war in dieser Vision ein wesentlicher Teil auf dem Weg zu einer zukunftsweisenden Online-Distribution von Bertelsmann-Produkten. Das neue Management verfolgt wieder eine traditionellere Strategie. Napster-Chef Konrad Hilbers hat laut LA Times seit dem Führungswechsel nichts vom neuen Chef Gunter Thielen gehört. Deshalb habe er den Chef des Internetbereichs Klaus Eierhoff persönlich kontaktiert, um ihm die Strategie zu erklären. Eierhoff ist inzwischen ebenfalls gefeuert.

Das Management von Napster will sich mit der Aussicht auf eine Zukunft als Verteiler für den Bertelsmann Direktverkauf nicht zufrieden geben. "Das derzeitige Management soll eine digitale Musikplattform aufbauen", sagte Hilber. Wenn der Markenname lediglich für einen MP3-Player genutzt werden soll, sei das Management nicht mehr notwendig. Bei Napster droht also der Absprung der Mitarbeiter. Die Zeit für eine Entscheidung bei Bertelsmann wird knapp. (pte)