Seit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts ...... kam es zu einer massiven Veränderung innerhalb der politischen Landschaft, wobei die großgrundbesitzende Schicht sehr stark an Macht verlor. Die Nationalliberale Partei hingegen erlebte einen Aufschwung bis zum Jahre 1938, als König Carol II, der meinte, dass er die faschistische "Eiserne Garde" für seine Zwecke gebrauchen könnte, die Diktatur ausrief. Er musste aber bald erkennen, dass dies eine Fehleinschätzung war und es entzündete sich ein fast zwei Jahre andauernder Krieg. Nach diesen Kämpfen versuchte Carol jedoch Hitler zu gefallen und beteiligte die Eiserne Garde an der Regierung, sowie erlies etliche antisemitische Gesetze. Dennoch verlor Rumänien Nordsiebenbürgen und die Süddobrudscha. In dieser prekären Lage übertrug Carol die Macht an seinen Ministerpräsidenten General Ion Antonescu, der tags darauf putschte und zusammen mit der Eisernen Garde den "National-Legionären Staat" deklarierte. Doch auch hier sollte sich die Lage zwischen diesen Parteien so sehr zuspitzen, dass die Eiserne Garde die Macht für sich und eine faschistische Terrorherrschaft proklamierte, die erst 1941 ein Ende fand. Im November 1942 ... ... zerschlug die Rote Armee die rumänischen Truppen vor Stalingrad, König Mihai stürzte Antonescu und ebenete so den Weg zur sowjetischen Machtergreifung. Nach dem Abschluß des Friedensvertrages zwischen Rumänien und den Alliierten 1947 war der Weg frei zur Volksrepublik. Bis 1947 wurden zumeist "KriegsverbrecherInnen" und Mitglieder der Antonescu-Diktatur sowie ehemalige Legionäre verhaftet, sowie etwa 80 000 ethnisch-deutsche RumänInnen deportiert und zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion gebracht. Viele kamen nie mehr zurück. 1948 wurde die bis heute gefürchtete Securitate gegründet, die "Volksfeinde" und "Saboteure" massenweise verhaftete und zwischen 1949 bis 1952 ein "Umerziehungsprogramm" durchführte. Wie viele Bäuerinnen und Bauern, die Securitate ermorden liess, weil sie sich gegen die Enteignungen weigerten, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Schätzungen liegen zwischen 80 000 und 500 000. Die Zeit des Nationalkommunismus Nach dem Tod Stalins 1953 hoffte ganz Ost-Europa auf eine Entspannung der politischen Situation. In Rumänien wurde damit die Wende zum Nationalkommunismus eingeläutet, sprich eine Abwendung von der Sowjetunion forciert, die eine radikale, nationalistische Derussifizierung in Gang setzte. Straßennamen wurden verändert, sowie russische Institutionen und Pflichtfach Russisch abgeschafft. Nach dem Tode Georghiu-Dej im Jahre 1965 wurde Nicolae Ceausescu neuer Parteichef. Mit der Verkündigung der Souveränitat Rumäniens und dem Vorrang der Nation und des Nationalen vor den Prinzipien des Internationalismus schockierte er noch im selben Jahr die kommunistische Welt, hob aber seine Popularität im Westen. 1971 sollten aber die sog. "Juli-Thesen", in denen er mehr ideologische Reinheit forderte, eine neostalinistische Wende einleiten. Die Epoche des dynastischen Nationalstalinismus Zwischen 1971 und 1974 wurden etliche seiner Konkurrenten von Ceauscescu "ausgeschaltet". Er führte das Prinzip des "rotierenden Kaders" ein, das aber nicht für ihn gelten sollte. Beinahe seine gesamte Familie, allen voran seine Frau Elena, wurde in wichtige Parteifunktionen gehievt und somit die "glorreichste Epoche der rumänischen Geschichte" eingeläutet. Dabei war diese Zeit bereits von wirtschaftlicher Rezession gekennzeichnet. Um die Tradition der nationalliberalen Autarkiepläne der 20er Jahre aufrechtzuerhalten, wurde in die Schwer-, die Petro- und Chemieindustrie investiert und auf Landwirtschaft und und Leichtindustrie vergessen. Mitte der 70er, mit dem Anstieg der Rohölpreise, brach das Wirtschaftssystem langsam in sich zusammen. Die Exporte gingen zurück und die von Ceausescu so sehr gefürchtete Auslandsverschuldung nahm zu. Die Zivilbevölkerung bekam diese Entwicklungen ... ... direkt zu spüren. Strom-, Gas-, Wasser und Heizungssperren wurden eingeführt, 1981 wurden wieder Lebensmittelkarten eingeführt und die Mindestkalorienmenge gekürzt, die Arbeitszeit aber auf eine 6 Tage-Woche erhöht. 1982 wurde als oberstes Wirtschaftsziel die Rückzahlung der 13 Milliarden Dollar Auslandschulden verkündigt. Dennoch wurde Mitte der 80er begonnen, die Altstadt von Bukarest nach den Plänen Ceausescus zu verändern und das "Haus des Volkes", den heutigen Parlamentspalast zu bauen. Mamaliguta kann auch explodieren Ein alter Witz aus Bulgarien besagt, dass RumänInnen wie eines ihrer Nationalgerichte, die Mamaliga oder Mamaliguta (Polenta) sind. Weich und wabbelig. Dennoch gab es unter der Diktatur von Ceaucescu etliche Aufstände, die von der Securitate blutig niedergeschlagen wurden. Auch die Hoffnungen auf eine Wende mit Hilfe des sowjetischen Parteichefs Gorbatschow sollten sich nicht erfüllen. Wieso dennoch das Regime von Ceausescu innerhalb kürzester Zeit in sich zusammen brechen konnte, ist gar nicht so einfach zu erklären. Klar scheint dennoch, dass die Securitate am Ende seiner "Amtszeit" die einzige ihm untergebene Institution geblieben war. Als dann im Oktober 1989 der ungarisch-reformistische Pfarrer Lásló Tökeœ in Timisoara/Temesvar zum Widerstand aufrief und ihn die Behörden gewaltsam deportieren wollten, war dies wie ein Signal zur Revolte. Innerhalb von drei Tagen konnte das Regime die Stadt nicht mehr kontrollieren und als Ceausescu im Dezember 1989 eine Massenversammlung in Bukarest anordnen wollte, um sich als starken Führer zu präsentieren, musste er vor den versammelten zehntausend ZuseherInnen mit seiner Frau flüchten. Revolution oder Putsch? Nur kurze Zeit nach der Flucht Ceaucescus trat ein Mann in Erscheinung, der bis heute die politischen Fäden Rumäniens in der Hand hält: Ion Iliescu. Ein halbes Jahr nach der "Revolution" wurde er zum Staatspräsidenten ernannt. Inzwischen kämpften angeblich arabische und andere Terroristen im Untergrund und metzelten hunderte Unschuldige. Die "Front zur nationalen Rettung" (FSN), die die Macht übernommen haben sollte, rief zur Verteidigung der Revolution auf und verkündete, dass die Armee und die Sicherheitskräfte unter der Gewalt der Terroristen standen. Am 25. Dezember 1989 erfuhr das rumänische Volk via TV von der Festnahme und Exekution des Ehepaares Ceausescus. Die imaginären Terroristen, von denen bis heute noch keineR festgenommen wurde, gaben ihren Widerstand auf und Petre Roman wurde zum Ministerpräsidenten, sowie Ion Iliescu zum FSN-Chef ernannt. Waren die Ereignisse nun von langer Hand (Iliescu's?) geplant oder wirklich, so wie es die meisten RumänInnen stolz verkünden, ein Aufstand des Volkes gegen seinen Tyrannen? Die wahrscheinlichste Version dürfte ein Zusammenspielen beider Möglichkeiten sein. Iliescu hatte laut seinen eigenen Angaben bereits in den 80ern Überlegungen zum Sturz des Diktators unternommen. Gleichzeitig beteiligten sich aber weite Teile der Bevölkerung an der "Revolution", auch wenn die meisten - vor allem in den ländlichen Regionen - von den Kämpfen nur die Berichte in den Medien mitverfolgt hatten. Iliescu zumindest erklärte im Januar 1990, dass Rumänien die westliche Demokratien nicht kopieren dürfe, sondern eine "originale, eigene Demokratie" für sich in Anspruch nehmen müsse. Iliescu ist noch immer im Amt, mittlerweile in seiner dritten Periode, auch wenn eigentlich nur zwei verfassungskonform sind ... (e_mu)