St. Pölten/Tulln - Angesichts des allgemeinen Absinkens bzw. Stagnierens der Hochwasserpegel in Ober- und Niederösterreich haben umfangreiche Aufräumarbeiten begonnen. Aufräumarbeiten sind "Schlammschlachten" "Die Einsatzkräfte waten durch bis zu knietiefen Schlamm und Morast, den die Wassermassen zurück gelassen haben", so die Feuerwehr. An Gebäuden sei schwerster Schaden entstanden. Das Wasser habe sogar erste Stockwerke erreicht. "Sämtliche Einrichtungen und Geräte, die von den Bewohnern dorthin in 'Sicherheit' gebracht wurden, sind vernichtet. Viele Bewohner stehen vor dem Nichts." 10.000 Helfer in Niederösterreich Die Aufräumarbeiten nach der Hochwasser-Katastrophe in Niederösterreich sind am Freitag auf Hochtouren gelaufen. Insgesamt etwa 10.000 Kräfte von Feuerwehr (2.400), Bundesheer (6.500), Rotem Kreuz (580) und Bergrettung (160) sowie zahlreiche "private" Freiwillige standen im Einsatz. Mehr und mehr wurde sichtbar, was die Flut tatsächlich angerichtet hatte. Die Höhe der Schäden war weiter nicht abschätzbar. In den betroffenen Regionen galt es, so rasch wie möglich "normale" Verhältnisse wieder herzustellen. 50 bis 60 Häuser vom Einsturz bedroht Das "Niederösterreich Journal" des ORF-Radios berichtete, es werde davon ausgegangen, dass im Kamptal und im Bezirk Amstetten 50 bis 60 Häuser vom Einsturz bedroht seien. Jedenfalls zwölf seien akut gefährdet und würden von den Einsatzkräften gesichert. Uferbefestigung des Kamp - Trinkwasseraufbreitung Das Bundesheer war u.a. im Waldviertel an der Arbeit. In Zwettl wurde die Verstärkung der Uferbefestigung des Kamp mittels "Steinwürfen" in Angriff genommen. Im Bezirk Gmünd waren im Lainsitztal schwer betroffene Häuser zu räumen. Für das Krankenhaus in der Grenzstadt wurde die Aufbereitung des Trinkwassers durchgeführt. Insgesamt sind rund 1.500 Brunnen verseucht. Die NÖ Landesregierung hat beschlossen, die Wieder-Nutzbarmachung von Hausbrunnen zu unterstützen. Die dafür notwendigen Chemikalien, deren Auslieferung sowie die Kontrolluntersuchung werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Weiters hat Landeshauptmann Erwin Pröll (V) am Freitag das Arbeitsmarktservice (AMS) um Bereitstellung von "geeigneten Arbeitslosen" für Aufräumarbeiten gebeten. Bewohner kehren in die evakuierten Gebiete zurück Im Kamptal hatte bereits am Donnerstag die Rückkehr der Bewohner in die evakuierten Gebiete begonnen. Die vom Gendarmerieposten Langenlois eingerichtete Hotline hatte zu diesem Zeitpunkt laut Landeswarnzentrale schon 1.500 Freiwillige vermittelt, die helfen wollen. Problem mit den Schaulustigen Aus Donaugemeinden war bekannt geworden, dass es immer wieder zu massiven Problemen mit Schaulustigen komme. Für den Bereich des Dammes in Ardagger (Bezirk Amstetten) wurde aus diesem Grund "ein Platzverbot im Sinne des Sicherheitspolizeigesetzes verordnet". Die evakuierten Bewohner sollten Anfang kommender Woche wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Zuerst galt es u.a., die Stromversorgung wieder herzustellen. Existenzprobleme in der Tourismuswirtschaft Die Flut hat auch Auswirkungen auf die Tourismus-Infrastruktur. Vor allem im Kamptal und an der Donau sind Beherbergungsbetriebe zum Teil erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Das gesamte Ausmaß werde erst kommende Woche feststehen, wenn die Kommissionen die tatsächlich entstandenen Schäden festgestellt haben, sagte Helmut Schulz, Obmann des Tourismusverbandes Wachau-Nibelungengau. Die Situation nach dem Hochwasser sei "für Betriebe direkt am Wasser fast ein Existenzproblem". Oberösterreich: Wasser zieht sich in manchen Gemeinden nur langsm zurück Auch in Oberösterreich war das "große Aufräumen" nach der Hochwasser-Katastrophe voll im Gang. In einer Reihe von Gemeinden zog sich das Wasser allerdings nur langsam aus den überfluteten Häusern und Straßen zurück. Beim Land wird bereits ein Maßnahmenpaket für verbesserten Hochwasserschutz geschnürt. Der Schlamm ist das Hauptproblem Vor allem in den Bezirken Perg, Urfahr-Umgebung, Eferding und Linz-Land standen nach wie vor zahlreiche Häuser unter Wasser. Im Salzkammergut bis hinein nach Hallstatt normalisierte sich die Situation allmählich. Ebenso in den Städten Schärding und Steyr, hier ist jetzt der zurück gebliebene Schlamm das Hauptproblem. In Linz konnte der Knoten der Westautobahn mit der Mühlkreisautobahn wieder für den Verkehr frei gegeben werden. Oberösterreich: Westautobahn wieder für den Verkehr wieder freigegeben Auch in den übrigens Landesteilen begann sich die Situation allmählich zu normalisieren. In Linz konnte die Westautobahn wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die Alarmstufe Zwei wurde am Freitagmittag aufgehoben. Gas und Strom wieder gesichert Die Gas- und Stromversorgung der Linz AG war weitgehend wieder intakt. Die Energie AG Oberösterreich (EAG) berichtete, dass die Stromversorgung ihrer Kunden trotz großer Probleme aufrechterhalten worden sei. An den Kraftwerken seien keine substanziellen Schäden entstanden. Wien: Flut hat Jahrhunderthochwasser von 1899 übertroffen Wien hat in den vergangenen Tagen ein Hochwasser überstanden, das statistisch gesehen nur alle 200 Jahre vorkommt. Das gab der Wiener Baudirektor Gerhard Weber am Freitag bekannt. Der Pegelstand der Donau war unterdessen im Wiener Bereich weiter im Sinken begriffen. Wenn die Tendenz gleich bleibe, würden bereits Samstagabend "jene Zustände erreicht werden, wo kein Wasser mehr in die Neue Donau fließt", so Weber. Am Wiener Hafen wurde am Freitag der Betrieb teilweise wieder aufgenommen. Keine Entwarnung gab es wegen des noch steigenden Grundwasserspiegels für Unterführungen, Keller und Tiefgaragen in der Nähe von Donau und Donaukanal. Steiermark: Hochwasser ist überall zurückgegangen Das Hochwasser im obersteirischen Bezirk Liezen ist überall zurückgegangen. Es seien nur noch einige landwirtschaftliche Nutzflächen unter Wasser sowie die Schäden an Bahn, Straßen und Brücken zu bewerten, so der Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Liezen, Franz Plank. Besonders betroffen seien die Gemeinden Pichl-Preunegg und Schladming. Infrastrukturlandesrat Leopold Schöggl (F) schätzt die Schäden in der Steiermark "vorsichtig auf rund fünf Millionen Euro". Rund 1.200 steirische Soldaten sind derzeit noch in Oberösterreich und Niederösterreich im Einsatz, zusammen mit rund 250 steirischen Florianijüngern. (APA)