Spannungen Russland-Georgien weiter verschärft - TM Moskau: Iwanows Äußerungen keine "versteckte Drohung" Moskau/Tiflis - Die Spannungen zwischen Russland und Georgien haben sich weiter verschärft. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow hat den georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse persönlich für die andauernden Überfälle tschetschenischer Rebellen von Georgien aus verantwortlich gemacht und die Notwendigkeit einer russischen Militärintervention unterstrichen. Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte daraufhin am Dienstag eine Stellungnahme, derzufolge die Aussagen von Iwanow zur Situation im Pankisi-Tal nicht als "versteckte Drohung" zu verstehen seien, dass Russland die Absicht habe, in dem georgischen Tal eine Gewaltaktion durchzuführen. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Oberst Nikolai Derjabin, sagte vor Journalisten, Russland habe weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart einseitige "Militäroperationen gegen Extremisten und ausländische Söldner" geplant. Iwanow trat seinerseits Behauptungen georgischer Behörden entgegen, wonach Russland gegenüber Georgien irgendwelche Schuldverpflichtungen aufzuweisen habe. So werde in Tiflis behauptet, dass der georgischen Seite nichts von den Waffen der früheren Sowjetunion zugefallen sei. In diesem Zusammenhang erinnerte Sergej Iwanow daran, dass allein im Zeitraum von 1992 bis 1995 von den Streitkräften der UdSSR auf georgischem Territorium den Streitkräften Georgiens zwölf Hubschrauber, mehr als 350 Einheiten von Panzertechnik sowie mehr als 3000 Kraftfahrzeuge übergeben worden seien. Die georgische Seite, die 1992 den Seestützpunkt Poti nationalisiert hatte, habe militärtechnisches Material in einem Wert bekommen, der den Wert der dort stationierten Kriegsschiffe beträchtlich übertraf, sagte der Minister. In Naltschik, der Hauptstadt der Teilrepublik Kabardino-Balkarien, hatte der russische Verteidigungsminister am Montag die Notwendigkeit einer russischen Militärintervention gegen tschetschenische Rebellen in Georgien unterstrichen. Schewardnadse habe sich 1999 den Forderungen des damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin widersetzt, den tschetschenisch-georgischen Grenzabschnitt durch russische Soldaten schützen zu lassen. Die Führung in Tiflis sei nicht fähig, "diesen Banditen das Handwerk zu legen". Bereits am Wochenende hatte Iwanow erklärt, nur Gewalt helfe gegen die im georgisch-russischen Grenzgebiet operierenden tschetschenischen Rebellen. Russland müsse im georgischen Pankisi-Tal genauso vorgehen wie die USA in Afghanistan. Der russische Verteidigungsminister hat die "Weigerung, tschetschenische Terroristen an Russland zu übergeben", als "Beweis der inkonsequenten Position der georgischen Führung" kritisiert. In Tiflis hatte die Regierung in der vergangenen Woche ihre Bereitschaft erklärt, mit den USA ein bilaterales Sonderabkommen zur Terrorismusbekämpfung zu unterzeichnen. Terroristen, die aus Georgien nach Tschetschenien eingeschleust würden, seien mit von georgischen Behörden ausgestellten Flüchtlingspapieren ausgestattet, gab der russische Verteidgungsminister bekannt: "Als die Banditen in den tschetschenischen Rayon Itum-Kale vom Territorium Georgiens aus eingedrungen waren , wurden bei einigen von ihnen Papiere in georgischer Sprache gefunden, die ihnen Flüchtlingsstatus bescheinigten." Sprecher der georgischen Opposition haben unterdessen Schewardnadse Unfähigkeit vorgeworfen, "konstruktive und vertrauliche Beziehungen" mit der Führung Russlands aufzubauen. Der Vorsitzende der Bewegung "Ertoba" ("Einheit"), Dschumber Patiaschwili, warnte den Präsidenten vor dem Versuch, "Russland als einen 'äußeren Feind' darzustellen", und forderte Schewardnadse zum Rücktritt auf. (APA/ITAR-TASS)