Die Bertelsmanntochter RTL übernimmt nun tatsächlich für 170 Millionen Euro von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck Anteile an n-tv sowie an zwölf deutschen Regionalradiosendern. Holtzbrinck hielt bisher 47,3 Prozent an dem privaten Nachrichtenkanal und war damit zweitgrößter Anteilseigner hinter dem US-Konzern AOL Time Warner, dem 49,8 Prozent von n-tv gehören. Holtzbrinck zieht sich mit dem Verkauf weiter aus den elektronischen Medien zurück und konzentriert sich auf das papierene Stammgeschäft: Dem Konzern gehören Die Zeit, Handelsblatt, Wirtschaftswoche und zahlreiche Regionalzeitungen. Genehmigung wird erwartet Die bereits seit Wochen vorbereitete Übernahme muss jetzt noch von Kartell- und Medienbehörden genehmigt werden. Außerdem müssen die weiteren n-tv-Gesellschafter auf ihre Vorkaufsrechte verzichten. Wird das Geschäft abgesegnet, kann RTL seine Marktführerschaft beim Fernsehen weiter festigen. Mit einem Umsatz von 72 Millionen Euro und einem Marktanteil von 0,7 Prozent am Zuschauermarkt liegt n-tv deutlich vor dem zu ProSiebenSat.1 gehörenden Nachrichtensender N24. Für n-tv übernimmt die RTL Television und deren Geschäftsführer Gerhard Zeiler die Verantwortung. Zeiler war früher ORF-Generalintendant und stammt wie n-tv-Geschäftsführer Helmut Brandstätter aus Österreich. Holtzbrinck managt mit Michael Grabner ebenfalls ein Österreicher. Durch die Übernahme von Holtzbrincks Radioholding AVE bekommt RTL vor allem zu Bundesländern Zugang, in denen es bisher kaum aktiv war. Die Gruppe dehnt damit ihre Radioabdeckung auf alle Bundesländer außer Hessen und Schleswig-Holstein aus. RTL war bereits vor diesem Geschäft mit 23 TV- und 14 Radiostationen in acht Ländern Europas größte Fernseh-und Radiogesellschaft. Für Holtzbrinck bedeutet der Ausstieg aus TV und Radio ein Gegengeschäft: Im Juni wurde bekannt, dass der Stuttgarter Konzern von der Bertelsmanntochter Gruner + Jahr deren Berliner Blätter übernimmt: die Berliner Zeitung und den Berliner Kurier. Stimmen die Kartellbehörden zu, dominiert Holtzbrinck, dem schon der Berliner Tagesspiegel gehört, den Zeitungsmarkt der deutschen Hauptstadt. (fid, AFP/DER STANDARD, Printausgabe vom 14./15. 8. 2002)