Die drei Gruppen der Ökofonds e-fundresearch: Frau Korczok-Nestorov, Sie sind Fondsmanagerin des INVESCO Focus Umwelttechnologie Fonds. Dieser Fonds wurde bereits 1990 gegründet, also lange bevor der Öko-Boom ausgebrochen ist. Wie kann man Umwelttechnologie denn eigentlich klassifizieren? Helene Korczok-Nestorov: In der Gruppe der ökologischen Investments gibt es drei Kategorien: Nachhaltigkeitsfonds (=Sustainibility), Ethisch-soziale Investments und eben Umwelttechnologiefonds. Nachhaltigkeitsfonds investieren in Unternehmen, die im Vergleich zur Branche ressourcen-schonender arbeiten. Das sind dann aber auch Autowerte, Chemiewerte oder Ölwerte. Die sozial-ethischen Fonds haben sehr strenge Restriktionen was die Aufnahme von Unternehmen in das Portfolio betrifft. Nur ganz bestimmte Unternehmen können in solch einen Fonds aufgenommen werden. Die dritte Gruppe bilden dann die Umwelttechnologie Fonds, wie wir es sind. Dabei werden Titel gesucht, die Beiträge zum Umweltschutz leisten. Also etwa Technologien zur Wasseraufbereitung, Reinhaltung von Luft, etc. Asset Allokation mit Restriktionen e-fundresearch: In welche Sektoren und Branchen darf der Fonds investieren, in welche investieren Sie aktuell und warum bzw. was sind Ihre größten Positionen? Helene Korczok-Nestorov: Der Fonds muss zu 51 Prozent in Unternehmen investieren, die mehr als 50 Prozent des Umsatzes oder Ertrages im Umweltbereich erzielen. Also etwa alternative Energieversorger, Solar- und Windenergie, Wasseraufbereitung bzw. Windturbinenhersteller. Momentan ist der Sektor der alternativen Energieversorger mit 33 Prozent gewichtet, Wasserversorgung und –aufbereitung mit 16 Prozent, Maschinenbau (Umwelt) 12 Prozent und Recycling mit 10 Prozent. Die größten Positionen sind AstroPower, ein amerikanischer Solarzellenhersteller, Vestas Windsystems aus Dänemark oder Plambeck aus Deutschland. Plambeck hat seine Ziele bis dato erreicht und wird weiterhin von Wachstum im Bereich Neue Energien profitieren. e-fundresearch: Sind dabei auch Titel aus Österreich in Ihrem Portfolio? Helene Korczok-Nestorov: Ja, etwa die BWT aus dem Wasserbereich oder Mayr-Melnhof. Keine geeignete Benchmark vorhanden e-fundresearch: Welche Benchmark haben Sie denn? Welche benutzen Sie offiziell, welche inoffiziell bzw. welche wäre denn am Besten geeignet? Helene Korczok-Nestorov: Das Problem ist, dass es keine geeignete Benchmark gibt. Der österreichische Naturaktienindex (NAI) ist als Benchmark nicht geeignet, weil dort nur 20 recht marktenge Werte enthalten sind. Weiters existieren die Dow Jones Sustainibility Indizes – dort sind aber viele Titel enthalten, die wir nicht in den Fonds aufnehmen dürfen. Deshalb sind wir gerade dabei unsere eigene Benchmark zu kreieren. Dabei werden 100 Unternehmen ausgesucht, die in den Fonds aufgenommen werden können und durch die entsprechende Gewichtung entsteht dann unsere neue Benchmark. Stimmung aktuell sehr pessimistisch e-fundresearch: Wie sind denn die weiteren Aussichten für den Sektor, der in letzter Zeit sehr stark gelitten hat? Denken wir etwa an die nächste Bundestagswahl in Deutschland, bei der die CDU angekündigt hat die Subventionen für Windenergie zu kappen. Helene Korczok-Nestorov: Die Stimmung, gerade im Bereich Windenergie, ist aktuell sehr pessimistisch. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass nach einem eventuellen Regierungswechsel das Erneuerbare Energiengesetz gekippt wird. Es gibt hier ja eine EU-Richtlinie mit dem Ziel den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2010 zu verdoppeln. Dem wird sich Deutschland nicht entziehen können. Möglich ist aber, dass die Einspeisevergütung reduziert wird, weil die Kosten für Windenergie gesenkt werden sollen. e-fundresearch: Was heißt das jetzt für den Investor? Womit darf dieser in nächster Zeit rechnen? Helene Korczok-Nestorov: Wenn die Märkte drehen werden, dann werden diese Aktien auch überdurchschnittlich profitieren. Die Stimmung ist momentan aber sehr schlecht und das Risiko bei Technologieaktien auch höher als bei Standardwerten. e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!