Wien - Die Austrian Airlines-Gruppe hat keine Angst vor neuen Billigfluggesellschaften wie der Lufthansa-Tochter Eurowings, die Berichten zufolge demnächst vom Flughafen Köln/Bonn aus starten soll. Noch am Mittwoch soll der Eurowings-Aufsichtsrat diesem Konzept zustimmen. Unter dem Namen "German Wings" soll die Lufthansa-Tochter vor allem den Kampf gegen die irische Ryanair, einen der erfolgreichsten Billig-Carrier, aufnehmen. "Wir nehmen jeden Mitbewerber ernst, aber zu Tode gefürchtet ist auch gestorben", sagte AUA-Vorstandsdirektor Josef Burger im Gespräch. Jede Fluglinie müsse für sich das Segment festlegen, in dem sie tätig sein wolle. Absprachen zwischen AUA und Eurowings gebe es nicht, sagte Burger: Während der grenzüberschreitende Verkehr zwischen Deutschland und Österreich im Rahmen des Joint-Ventures mit Star Alliance-Partner Lufthansa abgestimmt wird, gilt das nicht für die Lufthansa-Tochter Eurowings. "Kunden mehr Nutzen stiften" Ebenso wenig Anlass zur Sorge bestehe angesichts der geplanten neuen steirischen Regionalfluggesellschaft Styrian Airways, die im Herbst Flüge ab Graz aufnehmen will. Einer der Chefpiloten dort ist Burgers früherer Vorstandschef bei der Tyrolean Airways, Fritz Feitl. Es sei zu erwarten, dass gerade diese Fluggesellschaft sehr wettbewerbsorientiert in den Kampf um Marktanteile gehen werde, sagte Burger. "Wir müssen dem Kunden mehr Nutzen stiften", also etwa bessere Anschlüsse und mehr Qualität, deutet der AUA-Vorstand die mögliche Strategie im Kampf um Marktanteile mit den Newcomern an. Drei oder vier Große bleiben über Auch Burger teilt die Ansicht, dass in der europäischen Luftfahrt letztlich drei oder vier große international agierende Gesellschaften übrig bleiben werden. Das dürften diejenigen mit einem entsprechend großen Heimmarkt sein, wie British Airways, Lufthansa, Air France und Iberia. "Darüber hinaus wird es europaweit aber noch fünf bis sechs Feeder-Airlines geben, die auch erfolgreich ein internationales Langstreckenflugsegment bedienen. Unter diesen will sich auch die Austrian Airlines-Gruppe mit AUA, Lauda Air, Tyrolean Airways und Rheintalflug befinden. Dank eigener Langstrecken werde die AUA-Gruppe "nicht zu einer Zubringerfunktion verkümmern", sagte Burger. "Singapore Airlines Europas" Wegen eines fehlenden großen Heimmarktes "müssen wir in die Qualität gehen", sagte der AUA-Marketing-Chef, dem als großes Ziel vorschwebt, die AUA qualitativ als "die Singapore Airlines Europas" zu positionieren. Positive Kundenreaktionen aus den USA, Japan oder Australien würden diesen Ansatz bestätigten. Strategisch sehe sich die AUA eher auf den Nahen und Fernen Osten ausgerichtet. Die Aufnahme neuer Destinationen etwa in Südamerika sei daher vorerst kein Thema. Die Aufnahme von Linienflügen nach Kabul wäre technisch bereits machbar, aus Sicherheitsgründen sei die Zeit dafür aber noch nicht reif.(APA)