Österreich bekommt einen fünften Mobilfunkbetreiber. Der österreichische Festnetz- und Internetbetreiber tele2 will als so genannter "virtueller Netzbetreiber" (MVNO) mit Hilfe der Sendeanlagen des drittgrößten österreichischen Mobilfunkers One ins Handygeschäft einsteigen. Eine dementsprechende Vereinbarung mit One sei bereits unterzeichnet, sagte tele2-Österreich-Chef Norbert Wieser heute, Mittwoch, bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit One. Einen genauen Starttermin wollte Wieser nicht nennen, Branchenkenner erwarten den Start aber zum Weihnachtsgeschäft 2002. 16 Millionen Kunden tele2 gehört zur börsenotierten schwedischen Telekomgruppe tele2, die als Festnetz-, Internet-, Datendienst- und Mobilfunkanbieter in 21 Ländern aktiv, setzte 2001 rund 3 Mrd. Euro um und betreut 16 Mill. Kunden. Das Unternehmen ist seit 1999 in Österreich mit 25 Mitarbeitern tätig. Branchengerüchten zufolge beläuft sich der Umsatz in Österreich auf rund 70 Mill. Euro. Mobile Virtual Network Operator tele2 betreibe im Baltikum, Russland und Skandinavien eigene Mobilfunknetze, in den Niederlanden und Dänemark sei tele2 schon als MVNO (Mobile Virtual Network Operator) aktiv, berichtete Wieser. Ein MVNO nützt die Sendeanlagen (Masten) - den teuren Teil eines Mobilfunknetzes - eines anderen Mobilfunkbetreibers und bezahlt dafür u.a. einen volumensabhängigen Beitrag, die restliche Infrastruktur wie Server oder Switches wird selbst aufgebaut. Wieser bezifferte das Investitionsvolumen in die Infrastruktur, die übrigens von Siemens geliefert wird, mit einem "hohen einstelligen Millionenbetrag in Euro". Das One-Netz wurde hingegen von Nokia errichtet. "0688" plus 7-stellige Telefonnummer tele2 habe für den Einstieg ins Mobilfunkgeschäft "alle regulatorischen Voraussetzungen abgeklärt", die Interconnection-Verhandlungen für Gespräche in andere Mobilfunknetze seien im Laufen, so Wieser. Die Handynetzvorwahl von tele2 werde "0688" mit nachfolgender 7-stelliger Telefonnummer sein. Die Kooperation mit One beschränke sich auf das GSM-Netz inklusive Diensten wie GPRS (General Packet Radio System) und HSCSD (High Speed Circuit Switched Data). Die dritte Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) sei für tele2 "noch nicht spruchreif", man werde sehen, wie sich der Markt entwickle. "Ernstzunehmende Konkurrenz" One-Finanzchef Christian Schrötter glaubt, dass tele2 eine "ernstzunehmende Konkurrenz" im Mobilfunkbereich werde. Das Netz von One biete mit 2x29 MHz genügend Kapazitäten für einen weiteren Betreiber und könne notfalls auch aufgerüstet werden. One hat 1,3 Mill. Mobilfunk-, 140.000 Festnetz- und 140.000 Internetkunden. 2001 setzte das Unternehmen mit knapp 1.500 Mitarbeitern 574,12 Mill. Euro um.(APA)