Rom - Eine Flüchtlingswelle überrollt derzeit die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa südlich von Sizilien und macht dem florierenden Fremdenverkehr zu schaffen. Am Mittwoch landeten 61 Personen auf der knapp 20 Quadratkilometer großen Insel, die näher bei Tunesien als bei Sizilien liegt. Der Strom von Flüchtlingen, die den Meeresarm zwischen Tunesien und Lampedusa überqueren, um nach Italien zu gelangen, ist unbremsbar. Seit Jahresbeginn erreichten bereits 5.000 Flüchtlinge die Insel. Sie nützen das schöne Wetter und die hohen Temperaturen aus, um die Küsten Tunesiens zu verlassen und über Lampedusa in den EU-Raum zu gelangen. Die Zahl der Immigranten, die Lampedusa dieses Jahr erreicht haben, hat sich im Vergleich zum Jahr 2000 vervierfacht. Die Mittelmeer-Insel liegt 113 Kilometer von den tunesischen Küsten und 205 Kilometer von Sizilien entfernt. Das vom Roten Kreuz verwaltete Aufnahmelager der Insel ist total überfüllt. Seine Kapazität ist für maximal 200 Personen gedacht, es beherbergt derzeit immer mehr als 350 Personen. Die Einwohner der Insel protestieren. Sie bangen um den Fremdenverkehr, der in dieser Jahreszeit boomt. Bürgermeister Bruno Siragusa zittert um das Image der Insel als Urlaubsparadies. Er befürchtet, dass es nach den Fernsehbildern der zahlreichen Flüchtlinge Stornierungen geben könnte. "Die Lage ist sehr schwierig. Wir müssen jetzt auch für die neuen Flüchtlinge Raum schaffen, die in den nächsten Stunden erwartet werden", sagte der Bürgermeister. Er forderte Hilfe von den Regionalbehörden Siziliens, um die Notstandssituation zu bewältigen. Rund 2.000 Euro bezahlen die Flüchtlinge aus Marokko, Tunesien, Sierra Leone und anderen afrikanischen Staaten für die Überfahrt. Dafür werden sie von Schleppern in Tunesien auf ein winziges Fischerboot gebracht. Sie können nur hoffen, dass auf der einige Dutzend Kilometer langen Überfahrt nicht hohe Wellen die kleinen Booten zum Kentern bringen. Lampedusa bleibt trotz der verschärften Einwanderungspolitik der italienischen Mitte-Rechts-Regierung eines der Hauptziele nordafrikanischer Flüchtlinge. Sie befürchten nicht die schärferen Anti-Immigrations-Maßnahmen, die die Regierung im Juni verabschiedet hat. Auch die Marine wird nun eingesetzt, um die Flüchtlinge von Italien fern zu halten - in Lampedusa jedoch mit wenig Erfolg. (APA)