Wien - Nach der Flutwelle droht Österreichs Konsumenten eine Teuerungswelle. Wenn ab 2004 die elektronische Lkw-Maut kommt, werden die Transportkosten um 20 bis 25 Prozent steigen, ist Elmar Wieland, Chef von Österreichs größter Spedition, Schenker, überzeugt. Das müssten die Konsumenten zahlen.Die Transportpreise seien auf einem derart niedrigen Niveau, dass zusätzliche Belastungen weder von den Spediteuren noch von den Frächtern geschluckt werden könnten. "Wir müssen das eins zu eins weitergeben", sagte Wieland dem STANDARD. "In meinen Augen ist das Roadpricing nichts anderes als eine neue Steuer. Die Wirtschaft unterschätzt das Ganze, viele Chefs wissen noch immer nicht, was auf sie zukommt." Es sei ein Fehler gewesen, nicht mehr Widerstand zu leisten, sagte Wieland an die Adresse der Industriellenvereinigung. Neben dem Roadpricing, das durchschnittlich 20 Cent je Kilometer betragen wird, drohten der Branche weitere Belastung durch die notwendig werdende Anhebung der Dieselpreise im Zuge der Steuerharmonisierung in der EU. "Auch das müssten wir weitergeben", sagte Wieland. Wegen der flauen Konjunktur peilt Schenker heuer ein Halten des Umsatzes von zuletzt 785 Mio. Euro an. Durch den Verkauf des Mutterkonzerns Stinnes an die Deutsche Bahn könnten sich zusätzliche Synergien ergeben. Magazine unter Wasser Nach zwei Tagen eingeschränkten Betriebs, der durch Stromabschaltungen und Überflutungen an den Schenker-Standorten in den Wiener Häfen Albern und Freudenau gekennzeichnet war, versucht man nun wieder "business as usual". Das Ausmaß des Geschäftsausfalls könne noch nicht beziffert werden, sagte Wieland, "viele unserer Lkw sind stecken geblieben, wir konnten teils nicht ausliefern, weil Magazine unter Wasser waren, oder es gab Verzögerungen anderer Art." Die Kunden hätten aber "großes Verständnis gezeigt." Vom prognostizierten Konjunkturaufschwung sei noch immer nichts zu spüren. Wieland: "Die meisten Kunden haben weniger Aufträge, das erzeugt eine Kettenreaktion rückwärts." Besser sei die Situation in Mittel- und Südosteuropa, wo Schenker Österreich den Raum von Tschechien über Ungarn bis Griechenland mit eigenen Töchtern abdeckt. Dieser Tage wurde in Osteuropa die Übernahme einer größeren Spedition fixiert, deren Namen Wieland erst nach Vertragsunterzeichnung nennen will. Neben der Forcierung der Sammelverkehre zu Wasser, zu Land und in der Luft strebt Schenker verstärkt Kooperationen mit der Industrie an. Die im Frühjahr gestartete Zusammenarbeit mit dem Motorenbauer Bombardier-Rotax im oberösterreichischen Gunskirchen sei ein Vorzeigeprojekt. Wir machen die Logistik, vom Lager über den Versand bis zur Belieferung des Bandes mit den notwendigen Teilen", sagte Wieland. Ein ähnliches Projekt hatte Schenker bis zum Rückzug von DaimlerChrysler aus Graz in der Steiermark laufen. Trotzdem steckt Schenker rund acht Mio. Euro in ein neues, 6000 Quadratmeter großes Logistikcenter in Werndorf, das Mitte 2003 fertig wird. Wenn die neue Produktion für BMW und Saab 2004 in Graz unter Magna-Management anläuft, will Schenker dabei sein. (Günther Strobl/DER STANDARD, Printausgabe, 16.8.2002)