Linz - "Die Mehrheit der Österreicher ist jetzt in einer Wiederaufbaustimmung, man erwartet durch die Anstrengungen bei der Beseitigung der Schäden eine Art Sonderkonjunktur." So fasst Werner Beutelmeyer, der Chef des Linzer market-Instituts die Ergebnisse einer Umfrage zusammen, die er in der ers- ten Wochenhälfte für den STANDARD gemacht hat. Den 400 Befragten wurden dazu zwei Aussagen vorgelegt:"Die einen sagen, dass so eine Katastrophe die gesamte Volkswirtschaft schädigt und dass damit der Wirtschaftsaufschwung leidet." Dieser pessimistischen Meinung schlossen sich 39 Prozent an, wobei vor allem die jüngeren Befragten sowie die tatsächlich von der Katastrophe betroffenen Familien skeptisch sind. Zusätzlicher Implus? "Die anderen sagen, dass nach solch einer Katastrophe viel repariert und neu aufgebaut wird, was der Wirtschaft einen zusätzlichen Impuls gibt." Diese Meinung hat in allen Bevölkerungsgruppen eine Mehrheit, durchschnittlich sind es 54 Prozent. Höher gebildete und politisch engagierte Befragte sind hinsichtlich möglicher Konjunkturimpulse überdurchschnittlich optimistisch. Nur sieben Prozent können sich zwischen den beiden Alternativen nicht entscheiden, was für Beutelmeyer ein Indiz ist, dass sich die Österreicher sehr intensiv mit dem Hochwasser und seinen Folgen beschäftigen. In der von market gezogenen Stichprobe sagten 78 Prozent, sie hätten weder in der eigenen Familie noch im Kreis der Bekannten und Freunde Auswirkungen der Katastrophe zu ertragen. Neun Prozent der Befragten müssen Schäden in der Familie verbuchen, 15 Prozent haben Geschädigte im Freundes- und Bekanntenkreis, fünf Prozent waren bei Reisen und Arbeitswegen durch die Überflutungen eingeschränkt. Erhoben wurde auch, welche Institutionen besonders geholfen haben: Feuerwehr, Rotes Kreuz und Bundesheer führen erwartungsgemäß die Liste an. Besonders schlechte Noten gibt es für private Versicherungen - obwohl oder weil die Hochwassergeschädigten großteils nicht versichert waren. Die Bundesregierung (deren Sondersitzung erst nach der Befragung war) erhält vor allem von Anhängern der Koalitionsparteien gute Noten, vor allem Anhänger der SPÖ vergeben auch Vierer und Fünfer. Der Einsatz der Landesregierungen wird generell besser bewertet. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 16.8.2002)