Belgrad/Skopje - Der Wahlkampf für die Parlamentswahlen in Mazedonien am 15. September hat am Donnerstag mit einer Reihe von Zwischenfällen begonnen. Rund fünfzig Bewaffnete hatten am Abend ein moslemisches kulturhistorisches Denkmal in der westmazedonischen Albaner-Hochburg Tetovo besetzt. Über die Identität der Besetzer von Tekija sei nichts bekannt, meldeten lokale Medien unter Berufung auf Polizeikreise in der Stadt, die im Vorjahr Schauplatz heftiger zwischenethnischer Gefechte war. In Tekija hatte die albanische extremistische "Nationale Befreiungsarmee" (UCK) ihren Hauptstab. Nach dem Befriedungsabkommen von Ohrid im August 2001 war das Denkmal von Derwischen, moslemischen Ordensmitgliedern, besetzt worden. Als Konsequenz des Ohrid-Abkommens hatten sich einige hundert UCK-Kämpfer in das benachbarte Kosovo zurückgezogen, während der Großteil in den von der UCK kontrollierten Ortschaften verblieben ist und lediglich die Uniform ausgezogen hat. Ein Albaner, Funktionär der kürzlich gegründeten "Demokratischen Integrationsunion" von Ali Ahmeti, einstigem UCK-Führer, war im Dorf Bukovica an der Hauptverkehrsstraße zwischen Skopje und Tetovo von einem Anhänger der mitregierenden Demokratischen Partei der Albaner von Arben Xhaferi beschossen worden. Die Kampagne für die Parlamentswahl, die eigentlich zur Beruhigung der Situation in Mazedonien führen soll, dürfte, wie allgemein befürchtet wird, von heftigen Zwischenfällen gekennzeichnet sein, umso mehr als sämtliche Meinungsumfragen der Opposition klare Siegeschancen einräumen. Den Wahlsieg über die regierende Koalition der rechtsgerichteten VMRO-DPMNE ("Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation - Demokratische Partei für die Nationale Einheit") des Ministerpräsidenten Ljubco Georgievski und des Liberalen Bündnisses des Parlamentspräsidenten Stojan Andov erhofft sich die oppositionelle Koalition "Für Mazedonien gemeinsam", die den Sozialdemokratischen Bund Mazedoniens des früheren Ministerpräsidenten Branko Crvenkovski sowie etwa zehn kleine Parteien der serbischen, türkischen, bosniakischen und der Roma-Gemeinschaft erfasst. Unter den vier führenden Albanerparteien steht die Demokratische Integrationsunion von Ahmeti in klarer Führung vor der regierenden Demokratischen Partei von Arben Xhaferi, der Nationalen Demokratischen Partei von Kastriot Axhiregha und der Partei für die Demokratischen Prosperität von Abdurahman Aliti. Für die Wahlen haben sich rund 40 Parteien, sieben Parteienbündnisse und fünf Bürgervereinigungen angemeldet. Die Mehrheit von ihnen kann kaum auf einen von 120 Parlamentssitze hoffen. Bei einer Explosion vor der größten Kaserne der mazedonischen Hauptstadt Skopje sind zwei Soldaten leicht verletzt worden. Nach Angaben eines Armeesprechers kamen sie am Donnerstagabend rein zufällig an der Stelle vorbei, an der gerade ein Sprengsatz detonierte. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat eine Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen während des Mazedonien-Konfliktes gefordert. Die andauernde Straffreiheit für Verbrecher verletze die Rechtsstaatlichkeit und bedrohe den langfristigen Frieden. Die meisten Fälle von Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten seien nie untersucht worden. (APA)