Wien - Gemeinden und andere öffentliche Auftraggeber können dringende Aufträge zur Behebung von Hochwasserschäden rascher und unbürokratischer vergeben als dies im Normalfall vom Vergabegesetz her möglich ist. Daran hat am Freitag das Baugewerbe erinnert. "Mit einer Ausschreibung vergehen erst einmal drei bis vier Monate bis der Auftrag überhaupt einmal vergeben ist. Viele Infrastrukturschäden müssen aber sofort behoben werden, im Winter ist es zu spät", so Johannes Lahofer, Bundesinnungsmeister des Baugewerbes. Laut Gesetz darf beim Vorliegen einer entsprechenden Begründung das Vergabeverfahren abgekürzt werden. Statt einer Ausschreibung mit dem entsprechenden Fristenlauf können Aufträge im schnelleren "Verhandlungsverfahren" mit einer Handvoll interessierter Anbieter abgewickelt werden. Voraussetzung dafür sind "dringliche, zwingende Gründe, die nicht dem Verhalten des Auftraggebers zuzuschreiben sind". Dies geht sowohl aus dem aktuellen Vergabegesetz als auch aus dem ab 1. September 2002 geltenden neuen Vergabegesetz hervor. Keine Schätzungen "Seriöse" Schätzungen über Höhe und branchenmäßige Verteilung der durch das Hochwasser entstandenen Schäden will das Baugewerbe noch keine abgeben - erste Einschätzungen seien erst Ende nächster Woche zu erwarten. "In den betroffenen Gebieten wird es eine gewisse Belebung bei den Aufträgen geben. Aber so, dass das Unglück ein 'Lottotreffer' für die Branche ist, ist es auch wieder nicht", sagt Lahofer. Der Innungsmeister ist im Gespräch mit der APA offensichtlich darum bemüht, der Branche in der Öffentlichkeit nicht das Image eines Krisengewinners einzuhandeln: "Ich war am Donnerstag im Kamptal, das sind dort wirklich leidgeprüfte Leute. Ich appelliere an die Kollegen, darin nicht in erster Linie ein Geschäft zu sehen, sondern den Leuten zu helfen." Etliche Baufirmen inklusive seines eigenen Betriebs seien selbst von den Hochwasserschäden betroffen, "von spektakulären Schadensmeldungen sind wir bisher aber verschont geblieben." (APA)