Eine Regierung, die wegen eines größeren Naturunglücks ihre wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit verliert (keine Steuersenkung möglich, Abfangjäger reduziert, statt Nulldefizit Neuverschuldung), ist wohl auf rein sachlicher Ebene weniger gut, als sie vorgibt. In Wahrheit war die Sache schon vorher verfahren und auch wegen der Konjunkturverschlechterung keines der angestrebten Ziele - Steuersenkung, Nulldefizit - machbar. Die große Flut aber hat in Wirklichkeit in dieser Hinsicht die schwarz-blaue Regierung gerettet. Die Hilfszahlungen eignen sich hervorragend, um die Tatsache zu verschleiern, dass auf jeden Fall das Nulldefizit überhaupt nicht, die Steuersenkung nicht ohne Neuverschuldung machbar gewesen wäre. Der Verzicht auf sechs von 24 Abfangjägern kann ebenfalls damit erklärt werden, obwohl vorgestern da noch überhaupt kein Zusammenhang bestand. Ein makabrer Glücksfall für die Regierung. Denn ohne die Ausrede "Jetzt brauchen wir alles Geld für die Opfer" hätten sich die Streitereien in der Koalition und in der FPÖ um Steuerreform ja oder nein, Nulldefizit ja oder nein, Abfangjäger ja oder nein vervielfacht. Sogar Haiders Querschüsse lassen sich so kontern. (DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.8.2002)