Es ist eine paradoxe Situation: Die (vor allem deutschen) Immobilienfonds haben die Kassen voller Geld und würden damit nichts lieber als in Wien Bürohäuser kaufen. Doch was sie suchen, sind bereits voll vermietete Häuser, und diese sind derzeit rar. Denn die Firmen und mehr noch die internationalen Konzerne sind beim Standortwechsel seit dem Vorjahr äußerst zurückhaltend. Da wird länger als je zuvor gerechnet und oft hinterfragt, ob ein neues Büro tatsächlich sinnvoll ist. In konjunkturell schlechten Zeiten ist der Standortwechsel eben eine Ermessensausgabe, und diese werden aus Spargründen oft zuerst gestrichen, so die Erfahrung der heimischen Immobilienbranche. Doch Michael Ehlmaier, Vorstand der Constantia-Privatbank-Tochter CPB-Immobilientreuhand, registrierte bereits Fonds, die in das Projektrisiko hineingehen und auch nicht voll vermietete Büros kaufen. Außerdem kaufen sie (was früher kaum der Fall war), Objektgesellschaften oder Immobilienpakete, mit dem Nachteil, dass der Erwerb unheimlich verwaltungsintensiv ist. Konkurrenz-Bewusstsein Das Interesse der Fonds konzentriert sich auf Immobilien ab zehn Mio. EURO. Und weil das Interesse der Fonds so groß ist, konkurrenzieren sich die Investoren heute schon gegenseitig, so die Erfahrung Ehlmaiers. Eine tolle Situation für Verkäufer, die sich die Fonds aussuchen können. In Deutschland erzielten offene Immobilienfonds im ersten Halbjahr 2002 mit 10,1 Mrd. EURO einen Absatzrekord und sammelten deutlich mehr Geld ein als anderen Fonds. Damit übertrafen sie deutlich ihr bestes Jahresergebnis 1999 von 7,5 Mrd. EURO. Der hohe Zufluss wird mit der Unsicherheit der Anleger über die Entwicklung der Aktienmärkte begründet. Im ersten Halbjahr 2001 waren diesen Fonds lediglich rund 2,5 Mrd. EURO zugeflossen. Einige Anbieter haben wegen der Nachfrage bereits angekündigt, neue Immobilienfonds aufzulegen. Offene Immobilienfonds erzielten in der ersten Jahreshälfte im Schnitt Wertzuwächse von rund fünf Prozent. Offene Immobilienfonds sind Fonds, die hauptsächlich in Immobilien und Grundstücke investieren. Anleger können sich mit Sparplänen oder Einmalanlagen beteiligen. (cr/DER STANDARD, Printausgabe, 17.8.2002)