Aktienkurse können fallen. Wenn eine Bank oder eine Medienanstalt seinem Kunden nicht ausdrücklich erklärt hat, daß Aktienkurse auch fallen können, hat es vor Gericht, kommt es zur Schadenersatzklage, schwache Karten. Ob indes die Hinweise in guten Börsenzeiten überhaupt von den Anlegern zur Kenntnis genommen werden, steht nicht zur Diskussion. Doch das Anlagerisiko ist heute wieder ein Thema, und zwar auch für die Investoren, die sich zuvor – bewußt oder nicht – nie groß damit befaßt haben. Von „Himmelhochjauchzend“..... Lange war das Risiko für manche Anleger eine abstrakte Größe. Viele Investoren wollten es auch gar nicht wissen: Mit Aktien kann man Geld verlieren, im seltenen Extremfall ist gar ein Totalverlust möglich. Warnungen der Anlageberater und auch der Medien werden in guten Zeiten bestenfalls zur Kenntnis genommen. In der langjährigen Hausse-Phase, die von 1982 bis 1999 anhielt, wurden die Risiken unterschätzt oder gar negiert – die Anleger hatten nur die Chancen im Auge. Zu lange verdiente jeder mit Aktien überdurchschnittlich, der und wer aggressiv und mit dem Einsatz von möglichst viel Fremdkapital agierte. Wer hat sich schon während der Börsenjubeljahre, als sich mit den sogenannten TMT(Telekom, Medien, Technologie)-Papieren innerhalb von Tagen, wenn nicht sogar Stunden zweistellige Kursgewinne erzielen ließen, Gedanken über Asset Allocation, Diversifikation und Risikofähigkeit gemacht. Voll dabei sein, die Gunst der Stunde maximal nutzen, lautete damals die Devise. Die alten Regeln der Kapitalanlage, die für Generationen von Investoren galten, waren, so glaubten viele Junganleger, in der New Economy komplett überflüssig geworden. und „Zu Tode getrübt“..... Nun, nach zweieinhalb Jahren andauernden Bärenmarkt besteht die Gefahr, daß in der Baisse nur noch die Risiken gesehen und deshalb die Aktien für lange Zeit aus dem Anlagespektrum gestrichen werden. Die Anleger fallen von einem Extrem ins andere. Nach einer Phase der Euphorie und der Sorglosigkeit schlägt die Stimmung in eine lähmende Depression um. Selbst das bescheidenste Risiko will dann kaum mehr jemand eingehen. Darüber hinaus betreten etliche Aktionäre und Anleger Neuland, weil sie mit einer seit den Siebzigerjahren nicht mehr da gewesenen Orientierungslosigkeit und Unsicherheitsmomenten konfrontiert werden. Zwangsläufig muß und wird, wenn Kursverluste während Tagen, Wochen und Monaten laufend zunehmen, die Lust auf Aktienkäufe abnehmen. Das ist verständlich, aber falsch. Sowohl in den Achtziger- wie auch in den Neunzigerjahren standen Investoren wiederholt vor Börsensituationen, die zwar jeweils auf den ersten Blick ebenfalls als korrekturanfällig, oder gar von ihren Auswirkungen her gefährlich galten. Doch die Erfahrung lehrte, wie sehr es sich damals lohnte, nichts zu tun und gelassen den Sturm vorbeiziehen zu lassen. Wer in Panik verfiel und seine Aktien liquidierte, stand bald im Abseits – zu rasch und heftig erfolgten meist die Kurserholungen. Jeder Rückschlag war nach dem Motto «Buy the dip» eine willkommene Kaufgelegenheit. zu „Back to the Roots“ Auch diese Phase ist jetzt Vergangenheit. Heute müssen wir der Versuchung widerstehen, nicht in und bei jeder Kurserholung eine Verkaufsgelegenheit zu sehen. Gleichzeitig verdeutlichen gerade die zuletzt an den Finanzmärkten gesehenen Verhaltensmuster der sogenannten Profis, also institutioneller Anleger, daß jetzt die Risiken der Aktien überschätzt und diese damit auch für viele Privat- und Kleinanleger, die spätestens nach den diesjährigen Erfahrungen an den Qualitäten der Dividendenpapiere zu (ver)zweifeln beginnen, zum Tabu werden. Gerade deswegen sei, auch wenn im Moment unpopulär und einem Kampf gegen Windmühlen gleichend, daran erinnert: es gibt unter den anerkannten Anlageformen keine bessere Alternative als Aktien. Damit ist und bleibt es gewiß nicht jedermanns Sache, in schwachen Börsen wie diesen zu kaufen. Aber es ist und bleibt – längerfristig – die erfolgreichste Strategie. Nachlese --> Out: Börsengurus ! In: Börsengurus ! --> Über weinpredigende Contrarians und wasserkochende Institutionelle --> US-Zinsen, bitte steigen! --> Buy high, sell low......! --> Wieviel sind 3.500 Milliarden Dollar? --> Quo Vadis Börse? --> Wieder Ordnung an der Fußballbörse --> Auf Resignation naht die Wende --> Jede schlechte Nachricht hat ihr Gutes --> Hört die Deflations-Signale