St. Pölten/Wien - Für sieben der insgesamt 40 Schweine eines Jettsdorfer Bauern sei die Hilfe zu spät gekommen, erzählt der Grafenwörther Bürgermeister Alfred Riedl (VP): "Es war ein komplizierter Einsatz. Die Tiere sind ertrunken."Sonst aber habe aus den Ställen "alles gerettet" werden können, alle rund 200 Stück Borstenvieh in der schwer überfluteten 1070-Einwohner-Gemeinde am unteren Ende des Kamp, dort, wo er in die Donau mündet. Man habe die Tiere in die beiden höher gelegenen Katastralgemeinden Grafenwörths transportiert, weil "unten im Machland sogar die hundert Jahre alten, extra auf Erhöhungen gebauten und bis dahin hoch- wassersicheren Höfe überflutet worden" sind. "Langsam genug, um solche Rettungsaktionen durchzuführen" sei das Donauhochwasser gestiegen, heißt es auch aus dem Büro von Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (ÖVP). Zumal es am oberen und mittleren Kamp, wo die Flut überfallsartig kam, "in Flussnähe praktisch keine Bauern mehr gibt", wie der Präsident des ÖVP-Bauernbundes, Josef Pröll, erläutert. Die Viehverluste der Bauern hielten sich also in Grenzen. Genaue Zahlen habe man derzeit jedoch weder aus Nieder-noch aus Oberösterreich. Trotzdem, so Pröll, bestehe Gefahr für die ländliche Infrastruktur: "Ich denke besonders an Greißler und Kleinbetriebe. Bei ihnen wird man darauf achten müssen, dass sie der Mut nicht verlässt." "Läufe der Natur" "Bodenbrütende Vögel wie der Kiebitz, junge Fischotter, Niederwild wie Hasen, Rebhühner und Fasane, Maulwürfe . . .": Beim World Wide Fund for Nature (WWF) zählt indes Artenschutzexperte Norbert Gerstl jene Wildtiere auf, die vom Hochwasser wohl am stärksten in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Mehr Überlebenschancen hätten Rehe, Hirsche und Wildschweine gehabt, doch auch dort, wo sie ertrunken seien, gelte: "Das gehört zu den Läufen der Natur." Auch wenn es hart klinge: Die Aasfresser unter den Wildtieren - die Seeadler etwa - könnten nun aus einer breiten Speisepalette auswählen. Ebenso wie jene Arten, die von Insekten leben: In den kommenden Wochen, so Gerstl, werde es besonders viele Gelsen geben. (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2002)