Trotz blauen Himmels und Sonnenstrahlen war es ein feuchtes Wochenende. Selbst jene Kanäle, die nicht informierten, setzten vereinzelt auf fiktive Katastrophenszenarios und Weltuntergangssimulationen aus USA.Im ORF wurde dagegen unter Einsatz eines Großaufgebots von Mensch und Technik sehr lange sehr viel Geld gesammelt ("Wir helfen!" im Unterschied zu "Die Hoffnung stirbt zuletzt" auf ARD). Der Gestus der Inszenierung war ähnlich staatstragend wie weiland jener des "Österreich-Gesprächs": Vor dem Signum Rot-Weiß-Rot verschwammen selbst Parteienfarben, und Moderator und Generalsekretäre und -sekretärinnen beschworen in ostentativer Einigkeit den Geist des Zusammenhalts und der nationalen Kraftanstrengung, wo man beispielsweise auch viel nüchterner und weniger verbrämt von staatsbürgerlicher Solidarität sprechen könnte. Im Moment herrscht außerdem eingeschränkter Empfang: Die vor dem Fernseher sitzen eindeutig im Sicheren, Trockenen. Die, die man darin sieht - das ganze Wochenende über, im Rahmen der Sonderberichterstattung der deutschen Programme etwa -, berichten hingegen davon, wie nicht nur das TV-Gerät, sondern zuerst Stromversorgung, Telefonleitungen und Handy- masten, damit unter anderem der zivilschutztechnisch vorgesehene Informationsfluss, und dann womöglich noch das ganze Wohnhaus unter den Elbefluten zusammenbrachen. Katastrophe ist dort, wo auch das Fernsehen nicht mehr hinkommt. (irr/DER STANDARD, Printausgabe vom 19. 8. 2002)